Eine besondere Münze aus Italien ist hier in Lübeck.

Unsere Schätze – Goldmünze „Florin“

Lübecker Florin

Wenn man von Schätzen hört, dann stellt man sich Kisten voller Goldmünzen vor. Und tatsächlich gab es die in Lübeck auch – und ein bisschen was davon ist noch da. Im Stadtarchiv liegt eine Goldmünze, die auch noch in anderer Hinsicht spannend ist. Denn sie steht auch für einen wichtigen Teil der Wirtschaftsgeschichte.

Die Münze, rund 3 Gramm schwer, aus 986er-Feingold, die etwa aus den 1340er-Jahren stammen dürfte, ist einer der ersten Goldgulden, die im Norden Europas geprägt wurden. Genauer – das erkennt man am Adler oben links – in Lübeck. Die Hansestadt erhielt als erste Stadt im Reich dieses besondere Privileg. Besonders begehrt waren die Goldmünzen aus Florenz, darum nannte man sie „Florin“. Und deswegen sieht die Münze auch so aus: Mit Johannes dem Täufer auf der Vorder-, der Florentiner Lilie auf der Rückseite.

Münzen durften in Lübeck schon seit der Reichsfreiheit zweihundert Jahre früher geprägt werden, aber immer nur Silberpfennige. Mit dem Goldgulden dagegen wurden ganz andere Werte repräsentiert: Für drei, vier dieser Gulden bekam man einen fetten Ochsen. Und die Lübecker ließen sich nicht lumpen: In den ersten drei Jahren ab 1341 wurden rund 100 000 Münzen geprägt, das waren um die 360 Kilogramm reines Gold. Mit dem Gewinn der Münzprägung finanzierte der Lübecker Rat unter anderem Kriege und Befestigungswerke und kurbelte die lokale Wirtschaft an. Bis 1675 wurden hier Goldmünzen geprägt. In der napoleonischen Zeit hörte die Münzprägung Lübecks dann komplett auf. Der Florin im Stadtarchiv ist aber nicht der übriggebliebene Gulden aus goldenen Zeiten: Das Archiv bewahrt von allen Münzen, die hier geprägt wurden, ein Exemplar auf – manchmal auch zwei oder drei. Im II. Weltkrieg wurde die Sammlung ausgelagert und verschwand in den Wirren. Einzelne Stücke tauchten nach dem Krieg in Berlin auf – die Stadt kaufte sich eine neue Sammlung zusammen. Derzeit sind es rund 3 000 einzelne Münzen, die gut verwahrt im Archiv lagern – vom Pfennig bis zu unhandlichen Silberstücken. Um die Münzsammlung des Archivs kümmerten sich übrigens meist Hobbynumismatiker: Dr. Dieter Dummler, der die Stücke katalogisiert und einzeln beschrieben hat, war von Beruf Kieferorthopäde und stellte seine Expertise dem Archiv jahrelang ehrenamtlich zur Verfügung.

Wer den Goldgulden einmal ansehen möchte, kann warten, bis er irgendwann einmal ausgestellt wird. Das geschieht selten, das Archiv hat andere Aufgaben. Oder man geht einfach ins Stadtarchiv und bittet darum, ihn einmal zu zeigen. Immerhin ist es die Aufgabe dieser Institution als öffentlicher Einrichtung, ihre Stücke für die Bürger aufzubewahren – die dürfen sich „ihre“ Schätze dann auch mal ansehen.

Photo Credits: Archiv der Hansestadt Lübeck

Adresse: Mühlendamm 1-3, 23552 Lübeck
Website:  luebeck.de

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