Der Astronaut – Project Hail Mary
Habt Ihr eigentlich schon „The Astronaut – Project Hail Mary“ mit Ryan Gosling in der Hauptrolle gesehen? Was? Noch nicht? Dann möchte ich euch unbedingt diesen tollen Science-Fiction-Film einmal ans Herz legen.
Ich war skeptisch, als ich die Trailer zum Film „Der Astronaut – Project Hail Mary“ erstmals zu Gesicht bekam. Ich stellte mir die Fragen, ob Ryan Gosling den Film über weite Strecken seiner durchaus ausufernden Laufzeit allein stemmen könne und vor allem, ob das Ding nicht vielleicht eine echte Schlafpille werden würde. Ich kann euch aber erleichtert vermelden: Ja, Gosling gelingt, was auch Tom Hanks einst in „Cast Away – Verschollen“ meisterte und nein, „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist zu keiner Sekunde langweilig. Im Gegenteil, lange war ich nicht mehr von einem potenziellen Blockbuster so sehr gefesselt, habe gelacht, hatte Tränen in den Augen und habe ganz fest die Daumen gedrückt, dass ihm seine Mission gelingen würde.
Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht plötzlich, ohne Erinnerung, aus einem Kälteschlaf in einem Raumschiff. Die übrige Besatzung, bestehend aus zwei weiteren Crewmitgliedern (Milana Vayntrub / Ken Leung) ist tot. Verwirrt und zunächst panisch, versucht er, der Situation Herr zu werden und findet schnell heraus, dass er sich Lichtjahre vom Planeten Erde entfernt im All befindet. Nach und nach kommen Erinnerungsfetzen zurück, die ihn daran erinnern, dass er einst ein erfolgreicher Molekularbiologe war, dessen Theorien über mögliche Lebensformen ohne Wasser wenig Gegenliebe fanden. Bei seinem anschließenden Job als Lehrer hingegen war er bei seinen Schülern durchaus beliebt.
Während Ryland nun allein im All umherschwebt, kommen weitere Erinnerungen zurück. So sehen wir, dass eines Tages, nach Schulschluss, plötzlich eine gewisse Eva Stratt (Sandra Hüller), Mitarbeiterin der Europäischen Weltraumorganisation, vor ihm steht und ihn um Hilfe ersucht, da eine große Katastrophe auf die Erde zusteuert. Eine eigenartige, schwarze Substanz nähert sich der Sonne und beginnt deren Energie absorbieren und damit erkalten zu lassen. Dies hätte verheerende, tödliche Folgen für die Erde, weswegen man die fachliche Hilfe von Ryland benötigt.
Wie es nun dazu kam, dass Ryland allein im All gelandet ist und vor allem, was er dort vorfindet, dass wird nach und nach aufgedröselt und sorgt für spannende und viele emotionale Momente. Ich möchte hierauf nicht näher eingehen, denn verdammt, „Der Astronaut – Project Hail Mary“ ist das Beste, was ich seit langer Zeit im Big Budget-Kino gesehen habe. Vergesst die Gurken der letzten Jahre, die vielen, enttäuschenden Superhelden-Stinker aus der Greenscreen-Hölle. Was dem Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller, die für Filme wie „21 Jump Street“ und „The Lego Movie“ bekannt sind, hier gelang, erinnert an die Werke von Steven Spielberg und Robert Zemeckis zu ihren Glanzzeiten. 156 Minuten klingen lang? Glaubt mir, die vergehen wie im (Weltall-)Flug. Nicht auszudenken, was aus „Solo: A Star Wars Story“ für ein guter Film hätte werden können, wenn man den Jungs freie Hand gelassen hätte, statt sie zu feuern und zu ersetzen.
Sony Pictures vertraute ihnen und es hat sich ausgezahlt. Ryan Gosling schafft es locker, den Film auf seinen Schultern zu stemmen. Sandra Hüller, die hier ihr US-Debüt gibt, überzeugt natürlich ebenfalls. Da sie sich aber selbst synchronisiert, was löblich ist, klingt sie ein klein wenig hölzern in der deutschen Synchronfassung, die uns gezeigt wurde. Die Story bietet, dank der aufkeimenden Gedankenfetzen auch ausreichend Abwechslung. Vor allem aber sehen die Effekte fantastisch aus. Das Besondere: es wurde ohne Greenscreens gedreht, hier wurden echte Sets gebaut – und das sieht man auch. Sehr, sehr cool. Der Film mauserte sich verdient zum Kassen-Hit und funktioniert auch auf der heimischen Couch bestens. e, den ich auch heute noch wirklich gerne sehe. „Bloody Pom Poms – Blutiges Feriencamp“, den irgendein Unwissender als „Bloody Pom Pom“ ins Prime Paket gepackt hat, stelle ich euch hiermit vor. Lest meine Begründung, warum ich diesen Schundfilm so sehr mag.
Das Lindo Valleys Cheerleader-Team macht sich im Sommer ´88 auf zum Vorentscheid der Landesmeisterschaft im abgelegenen Camp Hurrah. Star des Teams ist die von Depressionen und Albträumen geplagte Alison (Betsy Russell), die gerne einmal Beruhigungspillen einwirft und von ihrem Freund Brent (Leif Garrett) keine Unterstützung erwarten kann. Dieser ist als Mannschaftskapitän mehr daran interessiert, die Damen des Wettbewerbes zu bezirzen und reagiert auf die Hilferufe der labilen Alison mit Unverständnis.
Dafür hat er ein offenes Ohr für Teamkollegin Pamela (Teri Weigel) und sie eine offene Bluse für ihn. Einzig das Maskottchen Cory (Lucinda Dickey), die zusammen mit Alison eine Hütte bewohnt, zeigt Verständnis und versucht Trost zu spenden. Dann währen da noch die bezaubernde Bonnie (Lorie Griffin) und Theresa (Rebecca Ferratti). Abgerundet (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das Team durch Timmy (Travis McKenna), dem dicklichen, besten Kumpel von Brent. Seine Figur ist so etwas wie der Zachi Noy des Feriencamp-Slashers.
Doch auch der Rest des Casts steht weit oben auf der Liste der Tatverdächtigen. So verhalten sich die Angestellten des Feriencamps nach dem vermeintlichen Selbstmord einer Cheerleaderin höchst merkwürdig. Insbesondere die Leiterin Mrs Tipton (Vickie Benson), die die Leiche zunächst in der Kühlkammer verschwinden lässt, um das Camp nicht zu schließen, macht sich verdächtig. Aber auch ein Koch und der Hausmeister, den der großartige George „Buck“ Flower verkörpert, darf man getrost auf die Verdächtigen-Liste setzen.
So plätschert der Film die erste halbe Stunde vor sich hin, bietet einen unerträglich doofen Auftritt des ansonsten sympathischen Timmy in Frauenkleidern, der nur noch getoppt wird von einer Football-Rollenspiel Sexeinlage zwischen Miss Tipton und dem notgeilen, in die Jahre gekommenen Sheriff Poucher, gespielt von Produzent Jeff Prettyman. Der ist zwar gar nicht mal so pretty, hat sich aber durch die investierte Kohle diesen Auftritt redlich verdient. Die Szene bildet übrigens den Bodensatz von „Bloody Pom Poms“, der ansonsten erstaunlich viele Qualitäten birgt.
Da wären die Darsteller, die bis auf die genannten Ausrutscher eine durchaus solide Leistung bringen. Insbesondere Betsy Russell, die man als Frau von Jigsaw kennt, spielt die Rolle der depressiven und verängstigten Alison wirklich überzeugend. Auch Ex-Teenie-Idol Leif Garrett (war unter anderem bei „The Outsiders“ dabei), der dank seiner Geheimratsecken deutlich das Teenageralter hinter sich gelassen hat, brachte Spielfreude mit ans Set.
Lorie Griffin, die man aus „Teen Wolf“ (nicht die Serie, sondern der Film mit Michael J. Fox) kennen kann, spielt bezaubernd, bekommt jedoch nicht viel Raum zur Entfaltung ihrer Rolle. Ganz im Gegensatz zu Lucinda Dickey, die im erfolgreichsten Cannon Pictures Film „Breakin´“ die Hauptrolle verkörperte und zeigen konnte, welch begnadete Tänzerin in ihr steckt. Sie ist für mich die stärkste Darstellerin im Cast. Leider beendete sie ihre Schauspielkarriere nach diesem Film. Immerhin bleibt uns noch ihr grandioser Auftritt als von einem Ninja-Dämon besessene Kämpferin in „Herrschaft der Ninja“, in dem sich auch Shô Kosugi die Ehre gab.
Doch nicht nur auf Darstellerseite gibt es positives zu vermelden. Denn nach einem eher schwachen Start nimmt der Film an Tempo und Atmosphäre schnell zu. Die Morde sind zudem gut getrickst und erstaunlich graphisch. Die Auflösung der Geschichte und damit die Enttarnung des Killers ist zwar für Genrekenner vorhersehbar, kommt aber so raffiniert daher, dass der Film hierfür alleine im Gedächtnis haften bleibt.
Auf der Zielgeraden der Produktion ging den Geldgebern übrigens selbiges aus, was zur Folge hatte, dass der Film keine Lichtspielhäuser von innen erstrahlen durfte. Stattdessen wurde er in den USA in „Cheerleader Camp“ umgetauft (was Regisseur John Quinn übrigens gar nicht toll fand) und in den heimischen Videoregalen verramscht. Doch das sollte euch nicht abhalten, in einer langweiligen Stunde mal auf „Bloody Pom Pom“ (hust) zu klicken.
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