BLOODY POM POMS (1988)
Beim Scrollen durch das Amazon Prime-Programm fiel mir ein alter, billiger Horror-Streifen aus meiner Jugend ins Auge, den ich auch heute noch wirklich gerne sehe. „Bloody Pom Poms – Blutiges Feriencamp“, den irgendein Unwissender als „Bloody Pom Pom“ ins Prime Paket gepackt hat, stelle ich euch hiermit vor. Lest meine Begründung, warum ich diesen Schundfilm so sehr mag.
Das Lindo Valleys Cheerleader-Team macht sich im Sommer ´88 auf zum Vorentscheid der Landesmeisterschaft im abgelegenen Camp Hurrah. Star des Teams ist die von Depressionen und Albträumen geplagte Alison (Betsy Russell), die gerne einmal Beruhigungspillen einwirft und von ihrem Freund Brent (Leif Garrett) keine Unterstützung erwarten kann. Dieser ist als Mannschaftskapitän mehr daran interessiert, die Damen des Wettbewerbes zu bezirzen und reagiert auf die Hilferufe der labilen Alison mit Unverständnis.
Dafür hat er ein offenes Ohr für Teamkollegin Pamela (Teri Weigel) und sie eine offene Bluse für ihn. Einzig das Maskottchen Cory (Lucinda Dickey), die zusammen mit Alison eine Hütte bewohnt, zeigt Verständnis und versucht Trost zu spenden. Dann währen da noch die bezaubernde Bonnie (Lorie Griffin) und Theresa (Rebecca Ferratti). Abgerundet (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das Team durch Timmy (Travis McKenna), dem dicklichen, besten Kumpel von Brent. Seine Figur ist so etwas wie der Zachi Noy des Feriencamp-Slashers.
Doch auch der Rest des Casts steht weit oben auf der Liste der Tatverdächtigen. So verhalten sich die Angestellten des Feriencamps nach dem vermeintlichen Selbstmord einer Cheerleaderin höchst merkwürdig. Insbesondere die Leiterin Mrs Tipton (Vickie Benson), die die Leiche zunächst in der Kühlkammer verschwinden lässt, um das Camp nicht zu schließen, macht sich verdächtig. Aber auch ein Koch und der Hausmeister, den der großartige George „Buck“ Flower verkörpert, darf man getrost auf die Verdächtigen-Liste setzen.
So plätschert der Film die erste halbe Stunde vor sich hin, bietet einen unerträglich doofen Auftritt des ansonsten sympathischen Timmy in Frauenkleidern, der nur noch getoppt wird von einer Football-Rollenspiel Sexeinlage zwischen Miss Tipton und dem notgeilen, in die Jahre gekommenen Sheriff Poucher, gespielt von Produzent Jeff Prettyman. Der ist zwar gar nicht mal so pretty, hat sich aber durch die investierte Kohle diesen Auftritt redlich verdient. Die Szene bildet übrigens den Bodensatz von „Bloody Pom Poms“, der ansonsten erstaunlich viele Qualitäten birgt.
Da wären die Darsteller, die bis auf die genannten Ausrutscher eine durchaus solide Leistung bringen. Insbesondere Betsy Russell, die man als Frau von Jigsaw kennt, spielt die Rolle der depressiven und verängstigten Alison wirklich überzeugend. Auch Ex-Teenie-Idol Leif Garrett (war unter anderem bei „The Outsiders“ dabei), der dank seiner Geheimratsecken deutlich das Teenageralter hinter sich gelassen hat, brachte Spielfreude mit ans Set.
Lorie Griffin, die man aus „Teen Wolf“ (nicht die Serie, sondern der Film mit Michael J. Fox) kennen kann, spielt bezaubernd, bekommt jedoch nicht viel Raum zur Entfaltung ihrer Rolle. Ganz im Gegensatz zu Lucinda Dickey, die im erfolgreichsten Cannon Pictures Film „Breakin´“ die Hauptrolle verkörperte und zeigen konnte, welch begnadete Tänzerin in ihr steckt. Sie ist für mich die stärkste Darstellerin im Cast. Leider beendete sie ihre Schauspielkarriere nach diesem Film. Immerhin bleibt uns noch ihr grandioser Auftritt als von einem Ninja-Dämon besessene Kämpferin in „Herrschaft der Ninja“, in dem sich auch Shô Kosugi die Ehre gab.
Doch nicht nur auf Darstellerseite gibt es positives zu vermelden. Denn nach einem eher schwachen Start nimmt der Film an Tempo und Atmosphäre schnell zu. Die Morde sind zudem gut getrickst und erstaunlich graphisch. Die Auflösung der Geschichte und damit die Enttarnung des Killers ist zwar für Genrekenner vorhersehbar, kommt aber so raffiniert daher, dass der Film hierfür alleine im Gedächtnis haften bleibt.
Auf der Zielgeraden der Produktion ging den Geldgebern übrigens selbiges aus, was zur Folge hatte, dass der Film keine Lichtspielhäuser von innen erstrahlen durfte. Stattdessen wurde er in den USA in „Cheerleader Camp“ umgetauft (was Regisseur John Quinn übrigens gar nicht toll fand) und in den heimischen Videoregalen verramscht. Doch das sollte euch nicht abhalten, in einer langweiligen Stunde mal auf „Bloody Pom Pom“ (hust) zu klicken.
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