KI baut kein Geschäftsmodell, aber KI hilft, es besser zu denken
Tagtäglich kommen Gründende zu uns in den GründerCube, die gemeinsame Gründungsberatung der Technischen Hochschule Lübeck und der Universität zu Lübeck. Sie bringen eine Idee und viel Begeisterung mit. Im ersten Gespräch entsteht dann die scheinbar viel schwierigere Frage: Wie wird daraus eigentlich ein Geschäftsmodell?
Wer gründet, muss sich mit Kundinnen und Kunden, Nutzenversprechen, Vertrieb, Kosten, Einnahmen, Wettbewerb und vielen weiteren Fragen beschäftigen. Früher bedeutete das häufig: Whiteboard, Post-its, ein Business Model Canvas und viele Stunden Diskussion. Heute sitzt dabei nicht selten noch ein weiterer „Teamkollege“ am Tisch: die künstliche Intelligenz.
Und das kann erstaunlich gut funktionieren. Gründende können ihre Geschäftsidee beschreiben und sich von einem KI-System mögliche Kundengruppen, deren Probleme oder alternative Wertversprechen vorschlagen lassen. Auch beim Business Model Canvas kann KI unterstützen: Welche Kanäle könnten für ein bestimmtes Geschäftsmodell sinnvoll sein? Welche Einnahmequellen sind denkbar? Welche Kostenpositionen werden möglicherweise übersehen? Welche Annahmen sollten wir unbedingt testen?
Gerade für Gründende, die ihre Idee zunächst einmal sortieren möchten, ist das eine große Unterstützung. KI zwingt Gründende dazu, Gedanken in Worte zu fassen. Und manchmal ist allein das schon ein wichtiger Schritt.
Noch spannender wird es, wenn man KI nicht als Antwortmaschine, sondern als Sparringspartner nutzt. Statt zu fragen: „Erstelle mir ein Geschäftsmodell für meine Idee“, könnte die bessere Frage lauten: „Welche Annahmen müssen stimmen, damit dieses Geschäftsmodell funktionieren kann?“ Oder: „Welche Gründe könnte ein Kunde und eine Kundin haben, mein Angebot nicht zu kaufen?“ Oder auch: „Stell mir zehn kritische Fragen, die Investorinnen und Investoren zu diesem Geschäftsmodell stellen würden.“
Damit verändert sich die Rolle der KI. Sie liefert nicht einfach einen fertigen Plan, sondern hilft dabei, die eigene Idee kritisch zu hinterfragen. Und genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt.
Denn ein Geschäftsmodell ist kein Text, den man möglichst schön formulieren muss. Es ist eine Hypothese darüber, wie ein Unternehmen Wert schafft, diesen Wert zu Kundinnen und Kunden bringt und damit Geld verdient. Ob diese Hypothese stimmt, kann keine KI entscheiden. Das müssen die Gründenden selbst herausfinden, und zwar im Gespräch mit echten Menschen, im Markt und letztlich durch tatsächliches Kaufverhalten.
Eine KI kann beispielsweise sehr überzeugend formulieren, dass eine bestimmte Zielgruppe ein großes Problem hat. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese Zielgruppe bereit ist, dafür Geld auszugeben. Sie kann zehn plausible Vertriebskanäle nennen. Das heißt nicht, dass einer davon tatsächlich funktioniert. Und sie kann einen Businessplan produzieren, der auf den ersten Blick beeindruckend aussieht, obwohl die zugrunde liegenden Zahlen oder Annahmen falsch sind.
Im GründerCube setzen wir in der Gründungsberatung u.a. im Workshop „Idea2Concept“ KI ganz gezielt ein. Gründende können in diesem Workshop mit Unterstützung von KI ein erstes Geschäftsmodell entwickeln und dementsprechend erste Hypothesen bilden, die sie im weiteren Gründungsprozess mit echten Menschen überprüfen und anpassen. KI wird in unserer Gründungsberatung genutzt, um blinde Flecken aufzudecken, Alternativen zu entwickeln und kritische Fragen zu stellen. So lassen sich verschiedene Szenarien innerhalb kurzer Zeit durchspielen. Das schafft Geschwindigkeit und Geschwindigkeit ist gerade in der frühen Gründungsphase wertvoll.
Ich würde allen Gründenden empfehlen, KI möglichst früh einzusetzen und dabei aber nicht das eigene Denken abzugeben. KI kann uns beim Denken helfen. Gründen müssen wir trotzdem selbst.
Adresse: GründerCube, Maria-Goeppert-Straße 1 a, 23552 Lübeck
Website: www.gruendercube.de
