Filmtipp

Chrischis Filmtipp zum Wochenende

Die Ritter der Kokosnuss

Die 1969 gegründete, britische Komiker-Truppe Monty Python ist Kult, bis heute – und das, obwohl sich die sechsköpfige Truppe bereits 1983 vorzeitig getrennt hatte. Neben einer erfolgreichen TV-Show veröffentlichten die Anarcho-Komiker in dieser Zeit vier Kinofilme, von denen zwei aus unterschiedlichen Einzelsketchen bestehen. Einer davon ist „Die Ritter der Kokosnuss“ – und genau den stelle ich euch heute vor.

Es geschah Ende der Achtziger, in der neunten Klasse der Berndt-Notke-Realschule. Wir hatten eine Freistunde und unser Biolehrer, der in dieser Stunde die Aufsichtspflicht hatte, brachte ein selbstaufgenommenes Videoband mit in den Unterricht. Darauf aufgespielt war eine Kopie von „Die Ritter der Kokosnuss“, den er uns freudig präsentierte. Es sollte ein kurzes Vergnügen werden, denn während der Großteil der Jungs in Gelächter ausbrach, war bei den meisten Mädchen nach dem Kampf gegen den schwarzen Ritter Ende im Gelände und der Film flog aus dem Player. Ich aber war angefixt und schickte meine Mutter in die Videothek, um „Die Ritter der Kokosnuss“ zu leihen. Schließlich wollte ich wissen, wie das Abenteuer ausgeht.

Die Kernhandlung ist schnell erzählt und klingt gar nicht so ungewöhnlich für einen Ritterfilm: Im Jahr 932 nach Christus (oder doch Brian?) reist König Arthur (Graham Chapman), gemeinsam mit seinem Untergebenen Patsy (Terry Gilliam) durch das Britannien, um seine Ritter der Tafelrunde zusammenzustellen. Schnell hat er seine Truppe, bestehend aus Sir Lancelot (John Cleese), Sir Galahad (Michael Palin), Sir Robin (Eric Idle) und einem Herrn, der in diesem Film nicht erscheint (!!!!) zusammen. Dem neuen Königreich steht also nichts mehr im Wege – außer Gott. Der beauftragt nämlich König Arthur, den heiligen Gral zu beschaffen. Kein leichtes Unterfangen, stellen sich unseren Helden doch der Schwarze Ritter (John Cleese), ein amoklaufendes Kaninchen, die Ritter, die immer „Nie“ sagen, sowie die verdammten Franzosen und allerlei andere Gefahren in den Weg.

Ob unsere Helden, die sich kein Pferd leisten können und stattdessen mit Kokosnuss-Hälften die Geräusche von Pferdehufen simulieren, es schaffen werden, den Zimmermanns-Kelch in Empfang zu nehmen, ist eigentlich egal. Wie bereits in „Monty Pythons Wunderbare Welt der Schwerkraft“ vier Jahre zuvor, in dem die besten Sketche der Komikertruppe nochmals für die große Leinwand aufgenommen wurden, geht auch hier alles eher episodenhaft vonstatten – immer wieder unterbrochen von Terry Gilliams genialen Trickfilm-Einschüben. Dabei treten die sechs Komiker gleich in mehreren, verschiedenen Rollen auf. Die Situationen, in die unsere „Helden“ geraten, sind dabei so absurd, dass man vorab wissen sollte, worauf man sich einlässt.

Denn der Genuss eines Monty Python-Films ist stimmungsabhängig. Während man bei Kultkomödien wie z.B. „Die nackte Kanone“ problemlos jederzeit einschalten und stets lachen kann, sollte man für diese Anarcho-Truppe schon in der richtigen Stimmung sein, sonst kann die Laufzeit von gut 90 Minuten zu einer echten Qual werden. Mit den richtigen Leuten an einem Samstagabend und einer Kiste Bier ist der Spaß hingegen garantiert, zumal man, aufgrund der löchrigen Handlung, niemals so richtig aufpassen muss und bei entsprechenden Kultszenen (schwarzer Ritter, Kaninchen, Brücke…) herrlich drauflos lachen kann.

Was die Synchronisation betrifft, so gab man sich die größte Mühe, dem Wortwitz der Pythons gerecht zu werden. Dabei ging man allerdings höchst ungewöhnlich vor. Denn während die anderen Filme der Komiker, zumindest für die Kinofassungen, stets unter der Dialog-Regie und nach einem Buch von Synchron-Meister Arne Elsholtz entstand, der höchst selbst als Sprecher von Eric Idle auftrat, fehlt dieser hier schmerzlich. Trotzdem liest sich die Liste der Sprecher wie das damalige Who-is-who der damaligen Synchronbranche. Allerdings besetzte man nicht einfach zum Beispiel Thomas Danneberg wie gewohnt auf John Cleese, sondern speziell auf seinen Charakter Sir Lancelot. Alle anderen von ihm gespielten Figuren haben, wohl zur besseren Orientierung, einen jeweils anderen Sprecher. Dies gilt übrigens für alle sechs Hauptdarsteller. Und so spricht John Cleese mal mit dem Organ von Manfred Lehmann oder Edgar Ott, während ein Eric Idle mal von Wolfgang Draeger und mal von Lothar Blumhagen eingesprochen wurde. Hochwertig ist das aber allemal.

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Photo Credits: CL

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