TOD AUF DEM NIL (1978)
Wie versprochen widmen wir uns heute wieder einer Agatha Christie-Verfilmung. Diesmal geht es um meinen absoluten Lieblings-Krimi, nämlich „Tod auf dem Nil“. Erneut keineswegs das Remake von Kenneth Branagh, sondern die Version von 1978, die längst Kult ist.
Das sind Zahlen, von denen können die Filmstudios heute nur noch träumen: „Mord im Orient Express“ von 1974 spielte, bei einem Budget von 1,5 Millionen Pfund, weltweit mehr als 27 Millionen Dollar ein. Ich habe zwar keinen Plan, wie es Mitte der Siebziger um den Wechselkurs stand, gehe aber von einem massiven Gewinn aus. Albert Finney wurde angefragt, seine Rolle als Hercule Poirot nochmals aufzunehmen, doch der Schauspieler lehnte dankend ab. Hauptgrund hierfür war das unangenehme Make Up, welches er für die Rolle tragen musste. Dieses empfand er bereits beim Dreh im Bahnwaggon als unerträglich warm. Die Aussicht, dieses auch beim Dreh im heißen Ägypten, wo der Hauptteil des Filmens stattfand, tragen zu müssen, erschien ihm als Albtraum. Ein Ersatzmann musste also her.
Diesen fand man in Peter Ustinov, der die Rolle vollkommen anders anging und sich damit in die Herzen der Zuschauer spielte. Denkt man heute an Herrn Ustinov, hat man zunächst unweigerlich Hercule Poirot im Kopf und vor allem diesen Film. Als Regisseur holte man John Guillermin an Bord, der zuvor die beiden Großproduktionen „Flammendes Inferno“ und „King Kong“ inszenierte. „Tod auf dem Nil“ sollte sein Opus Magnum werden. Hinterher kamen von ihm leider nur noch Mistfilme wie der Mega-Flop „Sahara“, sowie die Trash-Gurken „Sheena: Königin des Dschungels“ und „King Kong lebt“. Oh weia.
Der Aufbau des Krimis erinnert dabei stark an den Vorgänger „Mord im Orient Express“, wobei sich Guillermin mit der Einführung seines Opfers und der Verdächtigen deutlich mehr Zeit nimmt. Doch keine Sorge, die stolzen 140 Minuten Laufzeit werden zu keinem Zeitpunkt langweilig, im Gegenteil. Wir lernen also das potenzielle und von allen Anwesenden verhasste Opfer Linnet Ridgeway (Lois Chiles) kennen, die dem Zuschauer aber niemals unsympathisch wird, obwohl sie gleich zu Beginn ihrer besten Freundin Jacqueline De Bellefort (Mia Farrow) den Verlobten Simon Doyle (Simon MacCorkindale) ausspannt und vom Fleck weg heiratet. Im Gegenteil, es ist Jacqueline, die uns suspekt wird, da sie fortan wie besessen das junge Glück stalkt.
In Ägypten kommt es, während Linnets und Simons Flitterwochen, schließlich zu einem Mordanschlag, der jedoch missglückt. Da zufälligerweise auch Hercule Poirot anwesend ist, der, ebenso wie unser Pärchen und eine ganze Riege von Verdächtigen, an einer Nilkreuzfahrt auf einem Luxusdampfer teilnimmt, beginnt der Meisterdetektiv, die Passagiere genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihm zur Seite steht ein alter Freund, der britische Colonel Johnny Race (David Niven). Doch beide können nicht verhindern, dass Linnet nachts schließlich gewaltsam das Zeitliche segnet. Poirot setzt fortan alles daran, den oder die Täter zu stellen.
War die erste Filmhälfte bereits äußerst amüsant, blüht der Film nach dem Mord erst so richtig auf, inklusive der obligatorischen Zusammenkunft aller Beteiligten im Finale, in dem Poirot in Rückblenden den Tathergang genauestens aufdröselt und den Fall löst. Dabei stellt sich das Duo Ustinov / Niven als äußerst unterhaltsam heraus. Aber auch der restliche Cast, bestehend aus allerlei Hollywood-Größen in den Rollen der Verdächtigen, ist überwältigend. Bette Davis, Maggie Smith, George Kennedy, Jack Warden, Olivia Hussey und eine äußerst brillante Angela Lansbury sind unter anderem mit dabei.
Meidet das furchtbare, weitestgehend im Studio entstandene Remake aus dem Jahr 2022 und schaut Euch unbedingt diese Verfilmung hier an. Besser kann man einen Krimi aus der Feder Agatha Christies nicht umsetzen. Auch wenn ich, seit Kindheitstagen, die Auflösung bereits kenne, so habe ich doch immer wieder Freude an diesem zeitlosen Krimi-Spaß für die ganze Familie. „Tod auf dem Nil“ anno 1978 ist schlichtweg genial.
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