KRIEG DER WELTEN
Der gute, alte Steven Spielberg lässt derzeit in den Kinos wieder die Außerirdischen von der Leine. Nicht das erste Mal, wie wir wissen. Ich möchte euch heute seine Interpretation von „Krieg der Welten“ aus dem Jahr 2005 mit Tom Cruise in der Hauptrolle in Erinnerung bringen.
Bücher, Hörspiele (wobei das von 1938 legendär wurde), mehrere Verfilmungen und eine TV-Serie – ja, sogar Roland Emmerich ließ sich offenkundig inspirieren für seinen „Independence Day“ von H.G. Wells. Doch hier geht es um Steven Spielbergs Vision – und die weicht in vielen Punkten erheblich vom Original ab. So findet die Handlung jetzt im frühen 21. Jahrhundert statt und spielt in den USA und nicht in England. Handlungstechnisch gibt es viele Unterschiede, vor allem aber gibt es jetzt mit Tom Cruise eine Art Heldenfigur, die es damals ebenfalls nicht gab.
Er spielt Ray Ferrier, einen Kranführer aus New Jersey, dessen Ehe zu seiner Frau Mary Ann (Miranda Otto) gescheitert ist. Da sie gemeinsam mit ihrem neuen Partner zu ihren Eltern nach Boston fahren möchte, bringt sie die gemeinsamen Kinder zur Wochenendaufsicht bei Ray vorbei. Wohl ist ihr dabei nicht, denn der zeigt eher beruflich Verantwortung, ist der Vaterrolle aber nicht gewachsen. Zwar ist das Verhältnis zu seiner zehnjährigen Tochter Rachel (Dakota Fanning) noch recht herzlich, sein jugendlicher Sohn Robbie (Justin Chatwin) hingegen ist seinem Vater eher kühl und abweisend gegenüber, was auf dessen fehlendem, elterlichen Interesse zurückzuführen ist. Zwar bemüht sich Ray, eine harmonische, gemeinsame Zeit mit den Kids zu verbringen, scheitert dabei aber kläglich.
Dann aber geschieht, worauf das Publikum gewartet hat. Riesige, dreibeinige Killermaschinen außerirdischer Herkunft steigen aus den Tiefen der Erde empor und pulverisieren alles und jeden, was ihnen in den Weg kommt. Ziel ist die Auslöschung der Erdbevölkerung, um Eigenbedarf auf unseren Planeten anzumelden. Mit Mühe und Not können Ray und die Kinder fliehen. Gemeinsam begeben sie sich auf den gefährlichen Weg nach Boston, wo sie hoffen, auf eine noch lebende Mary Ann zu treffen. Doch die Außerirdischen sind überall und Robbie hegt das Verlangen, sich den Soldaten anzuschließen und in den Kampf zu ziehen. Wird es Ray gelingen, seine Kinder heil aus der gefährlichen Situation herauszubringen?
Selten war ein Event-Movie aus dem Œuvre von Steven Spielberg so düster und unheimlich wie „Krieg der Welten“. Blut fließt zwar keines, aber das Pulverisieren hunderter Menschen, dutzende angespülte Leichen und die fast durchgehend hoffnungslose Atmosphäre machen den Alien-Invasions-Film zu einem echten Horrortrip. Dabei spielt Tom Cruise einmal nicht den unfehlbaren Charakter, für den er u.a. aus der „Mission: Impossible“– oder „Top Gun“-Reihe bekannt ist. Immerhin darf er hier wieder seinem Trademark, ordentlich zu rennen, frönen. In einer Rekordzeit von nur sieben Monaten zwischen Drehbeginn und Kinostart schaffte Spielberg, was wohl kaum einem anderen Regisseur gelungen wäre: eine spannende, gruselige Hetzjagd, die zwar nicht zu seinen angesehensten Werken zählt, mich aber immer wieder bestens unterhält. Der Cast ist zudem überzeugend, inklusive eines Gastauftrittes von Tim Robbins, der nicht weniger bedrohlich wirkt als die Invasoren.
Mehr als 600 Millionen Dollar konnte der Film seinerzeit an der Kinokasse einspielen. Für das Jahr 2005, in dem die Kinokarten noch deutlich günstiger waren als heute, ein sensationelles Ergebnis. Es war bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen Spielberg und Cruise. Drei Jahre zuvor kam der ebenfalls hochgradig spannende „Minority Report“ heraus. Beide Filme kann ich wärmstens empfehlen.
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