RICOCHET – DER AUFPRALL
Ich wette, die wenigsten Leser können sich noch an diese Actionbombe aus dem Jahr 1992 erinnern: „Ricochet – Der Aufprall“, in dem Denzel Washington und John Lithgow gegeneinander antreten floppte damals an der Kinokasse, ist aber durchaus launig geraten. Hier meine kleine Kritik.
Die Zutaten für einen echten Blockbuster waren vorhanden. Der junge Denzel Washington, der kurz zuvor den Oscar für seine beeindruckende Performance in „Glory“ erhielt, gab mit „Ricochet – Der Aufprall“ seinen Einstand als Action-Schauspieler. Sein Gegenspieler war der verlässliche John Lithgow, der später in „Cliffhanger“ und „Dexter – Staffel 4“ bewies, dass er einen famosen Bösewicht abgeben kann. Inszenieren durfte Videoclip-Regisseur Russell Mulcahy, der mit „Highlander – Es kann nur einen geben“ einen Riesen-Hit in der Tasche hatte, kurz vor Drehbeginn aber mit dessen furchtbarem Sequel „Highlander 2 – Die Rückkehr“ eine verdiente Bruchlandung hinlegte. Als Produzent fungierte Action-Experte Joel Silver, der uns Filmreihen wie „Lethal Weapon“ oder „Stirb langsam“ bescherte und das Drehbuch verfassten Fred Dekker („Die Nacht der Creeps“), Menno Meyjes („Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“) und Steven E. de Souza („Nur 48 Stunden“). Es konnte eigentlich gar nichts schiefgehen – und trotzdem erinnert sich heute kaum noch jemand an „Ricochet – Der Aufprall“.
Der Film startet im Jahr 1984. Eines Abends geht der junge Polizist Nick Styles (Denzel Washington) gemeinsam mit seinem Freund und Partner Larry Doyle (Kevin Pollak) auf Streife. Dabei werden sie Zeuge, wie der brutale Verbrecher Earl Talbott Blake (John Lithgow) seine Geschäftspartner bei einem Drogendeal ausschaltet, um sich zu bereichern. Auf der Flucht nimmt er eine Geisel, kann aber von Nick entwaffnet und verhaftet werden.
Sieben Jahre später hat Nick Styles seinen Polizistenjob an den Nagel gehängt, führt eine glückliche Ehe, hat zwei Kinder und hat eine erfolgreiche Laufbahn als Bezirksstaatsanwalt eingeschlagen. Sein alter Kumpel Larry wurde derweil zum Detective befördert. Nicks Leben könnte nicht besser laufen, doch dann bricht der brutale Blake bei einer Bewährungsanhörung auf brutale Art aus dem Gefängnis aus und inszeniert sein vermeintliches Ableben. Doch Blake ist noch am Leben und startet einen perfiden Rachefeldzug, dessen Ziel die komplette Zerstörung des glücklichen Lebens von Nick Styles darstellt. Dabei ist es nicht seine Absicht, den Ex-Cop zu töten. Stattdessen sind es die Karriere und das Familienleben des aufrechten Staatsanwalts, die Blake systematisch zerstören will.
Handwerklich ist „Ricochet – Der Aufprall“ äußerst sehenswert. Regisseur Russell Mulcahy kommt halt aus der Musikvideo-Szene und wusste gekonnt, die Kamera effektiv einzusetzen. Dank einiger toller Kamerafahrten wirkt der Streifen somit größer, als er es eigentlich ist. Lediglich die Basketball-Szene mit Ice T zu Beginn ist etwas verwirrend zerschnitten worden. Zur Handlung fügt sie aber, ebenso wie auch die anderen Auftritte des Rappers im Film, wenig bei – immerhin hat er es auch auf den Soundtrack geschafft. In wenigen Szenen ist außerdem John Amos („Stirb langsam 2“) dabei. Kevin Pollak gibt, wie so oft, den sympathischen Sidekick. Ich sehe ihn immer wieder gerne. Denzel Washington spielt gewohnt gut, an seine Auftritte als „The Equalizer“ oder in „Training Day“ kommt dieser Auftritt aber nicht heran. Highlight ist mal wieder John Lithgow als Bösewicht. Sein abstruser Racheplan und sein trotziges Verhalten im Finale schmälern den Gesamteindruck aber ein wenig.
„Ricochet – Der Aufprall“ ist ordentliches Actionkino der frühen Neunziger. Erstaunlich, wie viele Blutbeutel hier platzen durften, der Film ist, trotz der damals auch in Amerika durchgreifenden Zensur, ziemlich hart ausgefallen. Dank der Laufzeit von gut 100 Minuten kommt auch keine Langeweile auf. Regie und Darsteller wirken auch heute noch recht zeitlos (mit kleinen Einschränkungen). Ein echter Action-Hit!
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