FLOW
Einer der schönsten Animationsfilme der letzten Jahre stammt aus dem filmtechnisch eher unbekannten Lettland. Dort schuf man die zu Herzen gehende Geschichte einer Katze, die vor einer Flut fliehen muss und sich mit einem Labrador, einem Wasserschwein, sowie einem Sekretär-Vogel und einem Lemuren engagieren muss, um gemeinsam ums Überleben zu kämpfen. „Flow“ gewann den Oscar für den besten Animationsfilm.
Show, don´t tell lautet eine bekannte Weisheit im Filmbereich. Gerade heutzutage wird in so manchem Streifen die Handlung zu Tode erklärt, damit auch der letzte Smartphone-User während der Streaming-Film läuft eine Runde Candy Crush spielen kann. Für dieses Publikum, welches den Filmemachern den nötigen Respekt und die Aufmerksamkeit schuldig bleibt, ist „Flow“ nicht zu empfehlen. Denn hier wird gar nicht gesprochen. Wie auch, Tiere können nicht sprechen und auch die Katze, der wir 85 Minuten lang folgen, singt nicht ein einziges Mal davon, dass Katzen furchtbar viel Musik brauchen.
Alles beginnt ganz harmonisch. Eine dunkelgraue Katze, die in einem verlassenen Haus am Waldrand zu leben scheint, begibt sich auf ihre tägliche Erkundungstour in der Natur. Während sie gerade ihren Durst an einem Fluss stillt, wird sie von einem Rudel Hunde überrascht, die sie, nachdem sie den Kläffern einen Fisch entwendet, von diesen verfolgt wird. Gerade als sie sich in Sicherheit befindet, bricht eine Sturmflut über die überraschten Tiere herein. Die Katze und einer der Hunde, ein friedlicher Labrador, können sich in letzter Minute auf eine höher gelegene Statue retten. Doch das Wasser steigt stetig und schließlich bietet ein kleines, umhertreibendes Segelboot die einzige Option zur Lebensrettung.
Hund und Katze sind auf dem Boot aber nicht allein, da sich bereits ein Wasserschwein dorthin in Sicherheit gebracht hat. Kurz darauf folgt noch ein Sekretär-Vogel, der aufgrund einer Flügelverletzung nicht mehr fliegen kann und schließlich ein Katta, der zur Gattung der Lemure gehört. Letzterer bringt sein erbeutetes Hab und Gut mit, u.a. einen Spiegel, den er hegt und pflegt. Zunächst sind die Tiere einander skeptisch und vorsichtig gegenüber. Doch die Notsituation verlangt Zusammenhalt und so bildet sich langsam unter den ungleichen Lebewesen eine kleine, freundschaftliche Allianz. Diese droht allerdings zu zerbrechen, als sie die anderen Hunde vom Filmbeginn entdecken, die in einem Glockenturm Schutz gesucht haben. Als sie diese an Bord holen, kommt es zu chaotischen Zuständen, bei denen auch der geliebte Spiegel des Lemuren zu Bruch geht.
Regisseur Gints Zilbalodis schuf bereits im Jahr 2012 einen selbstproduzierten Kurzfilm mit dem Titel „Aqua“, der im Grunde eine ähnliche Geschichte in nur sieben Minuten erzählt, optisch allerdings noch nicht annähernd so ausgereift. Auf die emotionale Reise, auf die uns „Flow“ mitnimmt, kommt der Shortie aber nicht heran. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man mit den tierischen Charakteren, die lediglich echte Tierlaute von sich geben, connecten kann, obwohl kein einziges Wort gesprochen wird. Langeweile kommt hier niemals auf, weder bei großen- noch bei kleinen Zuschauern. Allzu klein sollten die Kids aber nicht sein, dann auch, wenn (fast) alles gut ausgeht, so wird es hier und da doch ziemlich spannend und auch mal traurig.
Es wird zwar nie ausgesprochen (ha, ha), aber wir haben hier einen hübsch animierten Endzeitfilm vorliegen, denn die Menschheit scheint mittlerweile ausgestorben zu sein. Zwar sehen wir ihre Bauten und Errungenschaften, einen menschlichen Protagonisten sucht man aber vergeblich. Vermutlich ist dies auch der Grund, warum die Natur hier so wunderschön ausschaut.
„Flow“ ist ein Must-See!
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