Halb Schottland beneidet Lübeck
Im Lübecker Archiv liegt unter der Signatur 7.13.1 Anglicana 12a ein kleines Stück Pergament. Auf den ersten Blick wirkt es unscheinbar, in der Abbildung oben ist es bereits vergrößert dargestellt. Das Schreiben erreichte die Stadträte Lübecks im Oktober 1297 im Namen aller hansischen Kaufleute.
Die Nachricht kam aus Schottland. Dort hatten die Heere unter William Wallace und Andrew de Moray kurz zuvor die Engländer in der Schlacht von Stirling Bridge geschlagen. Das nun unabhängige Königreich berichtete den Lübeckern von der neuen Lage: Die schottischen Häfen seien sicher, und hansische Kaufleute seien jederzeit willkommen. Der Handel könne ungehindert weitergehen.
Weitsicht nach dem Sieg
Dieses Pergament zeigt, dass die schottischen Unabhängigkeitskämpfer keine ungehobelten Krieger waren. Kurz nach dem Sieg über die Engländer begannen sie, die neu gewonnene Freiheit auf wirtschaftlich stabile Grundlagen zu stellen. Wallace und Moray waren sich der Bedeutung der Hanse bewusst. Sie kannten auch die Kommunikationswege: Wenn Lübeck informiert wurde, verbreitete sich die Nachricht innerhalb kürzester Zeit im gesamten Hansebund.
Schlicht, aber von unschätzbarem Wert
Der Brief selbst wirkt eher nüchtern. Schmuckelemente fehlen, er ist klein und auf das Wesentliche reduziert. In einer Zeit, in der Pergament knapp war, ging es nicht um Repräsentation, sondern um ein pragmatisches Schriftstück. Von den zwei Siegeln ist nur noch das von William Wallace erhalten, das von Andrew de Moray fehlt.
Einzigartiges Dokument
Das Pergament ist mehr als ein Stück Hansegeschichte. Es ist das einzige weltweit existierende Dokument von William Wallace. Noch heute reisen Delegationen aus Schottland eigens für diesen Brief ins Lübecker Archiv. Es gab sogar Bestrebungen, das Stück als nationales Kulturgut nach Schottland zu holen.
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Adresse: Mühlendamm 1-3, 23552 Lübeck
Website: luebeck.de
