Im Hof des Burgklosters steht eine eher unscheinbare Bronzefigur. Sie zeigt eine Frau, die in den Baum vor ihr blickt. Die Statue erinnert zugleich an die Zeit, als das Burgkloster ein Kulturforum der zeitgenössischen Kunst war, an seine Nutzung als Gefängnis und an den ursprünglichen Namen des Klosters im Norden der Altstadtinsel. Geschaffen wurde die Figur von der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith. Mit ihrer Arbeit greift sie eine wenig bekannte Episode aus der Legende der Maria Magdalena auf.
Die Legende der Maria Magdalena
Im Mittelalter verbreitete sich eine zusätzliche Geschichte über die biblische Maria Magdalena. Nach der Auferstehung Jesu zog sie der Überlieferung nach in die Wüste, wo sie Buße tat. Kiki Smith übersetzt diese Zeit in der Wildnis in ein starkes Bild: Ein Haarkleid bedeckt den Körper der Frau. So wird die Isolation und zugleich die Verwundbarkeit der Heiligen sichtbar.
Ort und Bedeutung der Skulptur
Die Possehl-Stiftung stellte die Skulptur als Leihgabe zur Verfügung. Ihr Standort im Burgkloster ist bewusst gewählt, denn dieses war ursprünglich Maria Magdalena geweiht. Bis 2011 befand sich dort außerdem das Kulturforum Burgkloster, das sich mit zeitgenössischer Kunst beschäftigte. Heute erfüllt die Kunsthalle St. Annen diese Aufgabe. Auch der angekettete Fußring der Figur lässt sich als Hinweis auf die Vergangenheit des Burgklosters als Gerichts- und Gefängnisgebäude deuten.
Kiki Smith und ihr Werk
Kiki Smith setzt sich seit den 1980er-Jahren intensiv mit dem menschlichen Körper und seiner Verletzlichkeit auseinander. Gleichzeitig verarbeitet sie in ihren Werken Motive christlicher Martyrien und Bezüge zur Kunst des Mittelalters. Beide Stränge fließen in der Maria-Magdalena-Skulptur zusammen. Entstanden ist die Arbeit 1994, zwei Jahre später gelangte sie nach Lübeck. Mit dem Bau des Europäischen Hansemuseums erhielt die Figur schließlich ihren alten Platz im Burgkloster zurück, wo sie bis heute steht.
Photo Credits: ppe
Adresse: Burgtorbrücke 1, 23552 Lübeck
