Kriegsbeginn und Ausnahmezustand
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf das Jahr 1914 – das Jahr, in dem der Erste Weltkrieg ausbrach und auch Lübeck in eine neue, unsichere Zeit stürzte.
Vom Frieden in den Krieg
Bis zum Sommer 1914 war das Leben in Lübeck von Aufbruchsstimmung und wirtschaftlichem Wachstum geprägt. Die Industrie florierte, das Stadtbild modernisierte sich weiter. Doch mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28. Juni in Sarajevo begannen sich die politischen Fronten zu verhärten – mit dramatischen Folgen.
Ende Juli mobilisierte das Deutsche Kaiserreich, und am 1. August 1914 trat auch Lübeck in den Kriegszustand. Tausende Lübecker Männer wurden einberufen – unter ihnen auch viele aus Handwerk, Handel und öffentlicher Verwaltung. An Bahnhöfen spielten sich emotionale Szenen ab, als Familien Abschied nahmen. Die allgemeine Kriegsbegeisterung war groß, doch die Sorge schwang mit.
In Lübeck wurde der Alltag rasch umgestellt: Schulen richteten Hilfsdienste ein, Frauenvereine organisierten sich zur Versorgung von Verwundeten, und es entstand ein dichtes Netz an Unterstützungsstrukturen für die sogenannten „Daheimgebliebenen“.
Die städtische Verwaltung richtete Komitees zur Versorgung von Bedürftigen ein, denn erste Preissteigerungen für Lebensmittel und Kohle waren bereits spürbar. Viele Industrie- und Handwerksbetriebe begannen mit der Umstellung auf Rüstungsproduktion oder verloren Arbeitskräfte an die Front.
Die Euphorie des August wich schon bald einer ernüchternden Erkenntnis: Dieser Krieg würde weder kurz noch ruhmreich sein.
