Crying Freeman – Der Sohn des Drachen
Zu Ostern ein Eastern! Im heutigen Filmtipp geht es um einen Profikiller, der nach getaner Arbeit immer eine Träne vergießt. Bei „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ handelt es sich um die Realverfilmung eines Kultmangas, inszeniert von Christophe Gans („Return to Silent Hill“) mit Mark Dacascos („John Wick 3“) in der Hauptrolle.
Die verwaiste und in sich gekehrte Malerin Emu O’Hara (Julie Condra) hat mit ihrem Leben abgeschlossen. Eigentlich wollte sie, während ihres Aufenthalts in San Franciso, lediglich in der Natur ihrer Kunst freien Lauf lassen, als sie Zeuge eines Attentats durch Profikiller Yo (Mark Dacascos) an einigen Yakuza-Mitgliedern wird. Der wie ein Gentleman agierende Mörder stellt sich nach Ausführung seines Jobs noch kurz der Zeugin vor, ehe er verschwindet. Für Emu steht fest: Yo wird zurückkehren und die unliebsame Zeugin aus dem Weg schaffen.
Zurück in ihrem Haus in Vancouver malt sie ein Portrait des Mörders mit der Träne im Gesicht und bittet ihn schließlich, als er vor ihr steht, dass er ihr vor dem Tode noch ihre Unschuld rauben möge (ehrlich jetzt!). Ganz Gentlemen, macht sich Yo nackig und vollzieht den Sexualakt, was ihre gemeinsame Liebe aufkeimen lässt. Wer hat seine Freundin nicht auf diesem Wege kennengelernt? Natürlich bringt Yo es nicht übers Herz, seine Herzallerliebste ins Jenseits zu befördern, was ihn prompt in Ungnade bei seinen Jungs, den „Sons of Dragons“, fallen lässt, woraufhin die Jagd auf ihn und Emu eröffnet wird, die bis nach Japan führt…
Regisseur Christophe Gans legte mit dieser kanadischen Produktion, die größtenteils in Vancouver gedreht wurde, sein Langfilmdebut hin. Hierbei hielt er sich recht eng an die Comicvorlage, auch wenn in dieser sowohl Sex als auch Gewalt deutlich expliziter dargestellt wurden – japanische Comics halt. Aber wir haben hier einen Actionfilm der Neunziger, da war man noch etwas zahmer in der Darstellung von Erotik und Gewalt. Trotzdem reichte es bei uns für eine Indizierung, da man damals in Deutschland auf Killer, die beidhändig und in Zeitlupe diverse Statistengegner im Bleiballett richteten, egal ob blutig oder nicht, allergisch reagierte. Heute ist der Actionfilm rehabilitiert und bekam seine Jugend-Freigabe seitens der FSK.
Wer bei Bleiballett hellhörig wurde, ja, Regisseur Gans zitiert in Ton und Machart konsequent das damals moderne Hongkong Kino eines John Woo, wohl auch, da dieser mit „Hard Target – Harte Ziele“ bereits ebenfalls einen Hit im westlichen Kino landen konnte, aber auch, weil es tatsächlich verdammt gut zur Geschichte passt und außerdem verdammt gut ausschaut. Nein, an die Choreografie von Meister Woo ragt Gans nicht heran, einige Szenenabläufe scheinen wahllos aneinandergereiht zu sein und sein Einsatz von Zeitlupenaufnahmen ist auch als nahezu inflationär zu bezeichnen. Trotzdem, dank der von Dacascos eigens entworfenen Choreografie der Kämpfe, seiner Präsenz und der Tatsache, dass er alle seine Stunts selbst ausführte, hat diese tragisch-romantische Actionschlachtplatte für Männer alles zu bieten, was ein guter Actionfilm braucht. Kampfsport, Schießereien, korrupte Bullen, Geschwafel von Ehre und natürlich knisternde Erotik. Der Hinweis sei erlaubt, dass Frau Condra entgegen ihrem Zeichentrickvorbild nur wenig Einblicke zulässt. Schön aber, dass sie am Set Herrn Dacascos kennen und lieben lernte. Beide sind bis heute liiert und haben drei gemeinsame Kinder.
Schauspielerisch allen überlegen ist selbstverständlich der kürzlich leider verstorbene Tchéky Karyo („Kiss of the Dragon“), der als Bulle zwischen den Fronten, die wohl interessanteste und ambivalenteste Figur darstellt. Es ist immer wieder eine Freude, den charismatischen Schauspieler in einem Film zu sehen. Auch hier gelingt es ihm, ein Wechselbad der Gefühle beim Zuschauer auszulösen.
„Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ ist ein guter Actionfilm-Vertreter der Neunziger, der auch heute noch funktioniert. Insgesamt schön stylisches und altmodisches Actionkino, dass Fans immer noch großen Spaß bereiten kann. Der Film ist derzeit leider bei keinem Streaming-Dienst erhältlich, auf DVD, Blu-ray und 4K UHD kann man ihn aber problemlos kaufen.
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