Filmtipp

Chrischis Filmtipp zum Wochenende

TOP SECRET

Das ZAZ-Trio, welches uns Frank Drebbin schenkte und ein Flugzeug auf eine unglaubliche Reise schickte, machte sich Mitte der Achtziger einst über die DDR lustig. „Top Secret!“ Ist einer der weniger bekannten Komödien von Zucker / Abrahams / Zucker, mit dem jungen Val Kilmer und den Legenden Omar Sharif und Peter Cushing aber prominent besetzt. Darauf ein Glas des Verdienten Weines des Volkes. Prost!

Spoof-Komödien sind flacher, blöder und dreckiger als handelsübliche Comedystreifen und machen sich über alles und jeden lustig. Heute gibt es kaum noch gelungene Vertreter dieses Genres. Filme wie „Die Pute von Panem“ oder die grässliche „Pro Sieben Funny Movie“-Reihe zeugen davon, wie schlecht solche Komödien sein können. In den Achtzigern sah die Welt aber noch anders aus. Damals haben die Brüder David und Jerry Zucker, zusammen mit ihrem Bekannten Jim Abrahams, dieses Genre revolutioniert und mit „Die unglaubliche Reise im verrückten Flugzeug“ und „Die nackte Kanone“ echte Filmklassiker erschaffen. Nicht umsonst erhielt Letzterer erst letztes Jahr ein spätes Sequel.

Zwischen diesen beiden Highlights entstand ein weiterer Film, der weniger hohe Wellen schlug und heute weitestgehend in Vergessenheit geriet. Vorhang auf für „Top Secret!“.

Nick Rivers (Val Kilmer) ist ein gefeierter Rock´n´Roll Star aus den USA. Seine Hits, die für uns verdächtig nach den Beach Boys, Buddy Holly oder auch Elvis klingen, lassen Millionen von Mädchenherzen schmelzen. Nun bekommt er die einmalige Gelegenheit, als erster Rockmusiker in der DDR bei einem internationalen Kulturfestival aufzutreten. Doch mit seiner locker-lässigen Art gerät er bereits an der Grenze zu Ost-Berlin mit den störrisch auftretenden Grenzbeamten, die auch nicht davor zurückschrecken, Hundekuchenschmuggler an Ort und Stelle zu erschießen, aneinander. Nicht das letzte Fettnäpfchen, in welches er treten wird.

Brisant wird es, als er beim abendlichen Empfang der prominenten Gäste auf Waltraut (Lucy Gutteridge) trifft, die sich auf der Flucht vor der Justiz befindet. Ihr Vater, Dr. Paul Flammond (Michael Gough), befindet sich bereits in Gefangenschaft, damit er für die DDR einen Magneten entwickelt, der Kriegsschiffe aus jeglicher Entfernung anziehen kann. Ein wirklich teuflischer Plan, der in Kürze in Kraft treten soll und zu dessen Ablenkung das Kulturfestival stattfindet.

Nick wird in ein gefährliches Abenteuer geschleudert, bei dem er unter Mordverdacht gerät, eingebuchtet und beinahe hingerichtet wird und sich nach gelungener Flucht einer Widerstandsbewegung anschließt, die die Pläne der DDR-Obrigkeit durchkreuzen will. Ganz nebenbei erobert er noch Waltrauts Herz. Doch die steht zwischen den Stühlen, da ihre alte Jugendliebe Nigel (Christopher Villiers) überraschend als Kopf der Widerstandskämpfer aufgetaucht ist. Für wen wird sie sich entscheiden, werden die Eroberungspläne durchkreuzt, hält die Rockmusik in der DDR Einzug und was verbirgt sich hinter der staatlichen Presse?

In puncto Gag-Dichte braucht sich „Top Secret!“ nicht vor den anderen Werken aus der ZAZ-Fabrik verstecken. Alle paar Sekunden gibt es was zu lachen, wobei die meisten Gags auch heute noch ins Schwarze treffen. Allerdings – das muss man zugeben – hatten die Macher keinerlei Ahnung von der DDR. Aus Sicht der Amis scheint es, als sei die russisch besetzte Zone eher mit Nazideutschland zu vergleichen, inklusive Hitler-Wanduhren und SS-Wachen. Das ist natürlich Humbug und könnte dem ein- oder anderen sauer aufstoßen, ebenso wie die für so manchen Zuschauer rassistisch anmutenden Gags. Doch sollte man hier die Kirche im Zaun lassen, immerhin handelt es sich hier um einen Film, der zu keiner Sekunde ernst genommen werden möchte und ein Kind seiner Zeit ist. Ganz zu Anfang bekommen auch die Amis ihr Fett weg, wenn sie schwerbewaffnet surfen gehen und dabei jegliche Sicherheitsvorschriften außer Acht lassen.

Wer einmal wieder herzlich aus voller Inbrunst lachen möchte, der sollte sich „Top Secret!“ nicht entgehen lassen. Erstaunlich, wie sich „Doktor Schiwago“-Darsteller Omar Sharif hier als westlicher Agent durch den Kakao ziehen lässt (er bekommt wirklich in jeder seiner Szenen so richtig auf die Zwölf). Absolutes Highlight ist aber der kurze Auftritt von Horror-Legende Peter Cushing in einer Szene, die rückwärts abgespielt wird. Einfach herrlich. Val Kilmer gab hier seinen Einstand und sang auch noch alle Songs selbst ein. Im Jahr darauf folgte dann mit „Top Gun“ der große Durchbruch, in dessen Sequel er, trotz seines schlechten Gesundheitszustands, seinen letzten, ehrenvollen Kurzauftritt erhielt. Die deutsche Synchronfassung nimmt sich allerlei Freiheiten und münzt einige Gags auf ein deutsches Publikum um. So heißt Waltraut (bedeutet so viel, wie die, die sich auch in den Wald traut) im Original Hillary. Insgesamt eine rundum gelungene Eindeutschung – kein Wunder, übernahm doch Synchronmeister Arne Elshotz hier das Ruder. Lediglich die Nationalhymne der DDR wurde etwas unglücklich ausgetauscht. Während das Lied im Original (Heil, Heil, Ostdeutschland) bitterböse daherkommt (auch in der dt. Version dank festeingestanzter, englischer Untertitel mitzubekommen), hören wir hierzulande das überhaupt nicht synchronwirkende Lied Prinz Eugen, der edle Ritter. Ansonsten ist die deutsche Fassung aber ziemlich genial.

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