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Alexander Lachmann: LÜBECK, FAME OVER

Lübeck – ich sag leise f* you

Lübeck – ich höre auf.

Nicht dramatisch.
Nicht wütend.
Nicht mit einem Knall.
Eher so, wie man einen Raum verlässt,
in dem man zu lange gestanden hat
und irgendwann merkt,
dass einen niemand bemerkt hat.

Ich habe hier geschrieben,
gedacht, beobachtet, angeboten.
Woche für Woche.
Nicht, um Applaus zu bekommen.
Sondern um Resonanz zu finden.
Sie ist ausgeblieben.

Kein Widerspruch.
Kein Gespräch.
Kein „Sehe ich anders“.
Nicht einmal ein ernst gemeintes „Interessant“.

Und irgendwann muss man sich eingestehen:
Wenn nichts zurückkommt,
ist es kein Dialog.
Dann ist es ein Monolog.

Ich habe lange versucht, mir einzureden,
dass Stille auch etwas bedeutet.
Dass Lesen reicht.
Dass Schweigen Zustimmung sein könnte.
Oder Nachdenklichkeit.
Oder norddeutsche Zurückhaltung.

Vielleicht stimmt das alles sogar.

Aber Schreiben lebt nicht davon,
recht zu haben.
Sondern davon,
dass etwas zurückschwingt.
Und hier schwingt nichts.

Also höre ich auf.

Nicht aus Trotz.
Nicht aus Kränkung.
Sondern aus Klarheit.

Es fühlt sich seltsam an,
leise „f* you“ zu sagen.
Nicht zu dir, Lübeck.
Sondern zu dieser zähen, freundlichen Gleichgültigkeit,
die alles umarmt und nichts berührt.

Ich habe keine Lust mehr,
Gedanken in den Raum zu stellen,
die im Raum bleiben.

Ich habe keine Lust mehr,
Energie zu investieren,
die nirgendwo andockt.

Das hier ist kein Abschied voller Pathos.
Kein Appell.
Keine letzte Bitte.
Es ist nur eine Feststellung.
Manchmal ist Aufhören
die ehrlichste Form von Selbstachtung.

Lübeck,
ich sag leise f* you.
Und gehe.

Über den Autor

Alexander Lachmann, bringt Kunst und Worte oder beides auf neue Bühnen. Eigentlich Creative Director für Text und Konzept, also Werber. Aber eben auch Künstler. Ideenmensch. Beobachter.

Auf seiner Website iwrotethisshit.com zeigt er Arbeiten aus der Werbung. Seine Kunst-Website alexanderlachmann.de zeigt seine Kunst. Logisch. Seine Kolumnen hier sind spitz, pointiert und manchmal so gnadenlos ehrlich, dass sie fast schon wehtun – aber immer mit Charme.

Kurz gesagt: Einer, der Worte ernst nimmt. Und gleichzeitig leicht genug, um sie fliegen zu lassen.

Photo Credits: Alexander Lachmann

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