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Alexander Lachmann: Energielevel sinkt

Lübeck – wir haben ein Energieproblem

Lübeck, du kostest mich echt Kraft.

Nicht Nerven.
Echte Energie.

Im Kopf.
In der Lust.

Ich zeige mich hier.
Denke mit.
Denke nach.
Bringe mich ein.

Und trotzdem habe ich immer öfter das Gefühl,
dass davon erstaunlich wenig ankommt.

Neulich war ich auf einer Veranstaltung.

Ich kannte Menschen.
Und sie mich.

Ich war präsent. Bereit.

Aber ein Gespräch?
Kam nicht zustande.

Nicht mal ein interessiertes Hallo.

Ja, vielleicht gehe ich nicht offensiv genug auf Menschen zu.
Aber sie geben mir auch nicht das Gefühl,
dass sie sich wirklich für mich interessieren.

Ich habe mich oft vorgestellt.
Gezeigt, was ich kann.
Und dennoch stieß ich auf wenig Gegenliebe.

Ich weiß, dass das, was ich mache nicht so scheiße ist.
Ich weiß auch, dass es anstrengend ist.
Weil ich Selbstreflexion erzwingen möchte.

Aber dieses ignoriert werden, bleibt bei mir hängen.
Weil ich merke, dass ich selbst nicht mehr weiß,
wer hier eigentlich den ersten Schritt machen müsste.

Ich warte auf ein Zeichen.
Und weiß gleichzeitig,
dass ich selbst keins sende. Offensichtlich.

Vielleicht ist es genau das,
was mich gerade so müde macht.

Dieses Dazwischen.
Dieses Abwarten.
Diese Unsicherheit,
ob Zurückhaltung auch Haltung ist
oder einfach nur Bequemlichkeit.

Ich merke, wie mich das Kraft kostet.
Nicht, weil etwas scheitert.
Sondern weil nichts passiert.

Vielleicht ist das gerade mein Zustand.

Nicht wütend genug, um zu gehen.
Nicht klar genug, um zu bleiben.

Ich stehe da,
mit dem Wunsch nach Austausch
und der Unsicherheit,
ob ich ihn überhaupt anbiete.

Vielleicht kostet mich Lübeck gerade deshalb so viel Energie.
Weil ich nicht weiß,
ob ich warten soll
oder einen Schritt nach vorne machen müsste.
Oder wie viele Schritte es noch sein müssen.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Erkenntnis im Moment:

Ich weiß nicht,
wie es weitergeht.

Über den Autor

Alexander Lachmann, bringt Kunst und Worte oder beides auf neue Bühnen. Eigentlich Creative Director für Text und Konzept, also Werber. Aber eben auch Künstler. Ideenmensch. Beobachter.

Auf seiner Website iwrotethisshit.com zeigt er Arbeiten aus der Werbung. Seine Kunst-Website alexanderlachmann.de zeigt seine Kunst. Logisch. Seine Kolumnen hier sind spitz, pointiert und manchmal so gnadenlos ehrlich, dass sie fast schon wehtun – aber immer mit Charme.

Kurz gesagt: Einer, der Worte ernst nimmt. Und gleichzeitig leicht genug, um sie fliegen zu lassen.

Photo Credits: Alexander Lachmann

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