Der Vertrag von Zarskoje Selo und seine Bedeutung für Lübeck
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf das Jahr 1773. Während sich Europas Großmächte um Einflusszonen und Handelsinteressen streiten, bringt ein internationaler Vertrag auch für Lübeck mehr politische Sicherheit – ohne dass die Stadt selbst am Verhandlungstisch sitzt.
Lübeck bleibt frei – dank dänisch-russischer Einigung
1773 wurde im russischen Zarskoje Selo ein Vertrag unterzeichnet, der die territorialen Spannungen zwischen Dänemark und Russland in Norddeutschland beilegte. Im Zentrum stand dabei der Tausch des Herzogtums Oldenburg gegen die dänische Grafschaft Holstein-Gottorp. Russland gab seine Ansprüche in Schleswig-Holstein auf – und erhielt Oldenburg, das an einen Seitenzweig des russischen Zarenhauses fiel.
Für Lübeck war dieser Vertrag keine bloße Randnotiz, sondern ein diplomatischer Befreiungsschlag. Seit Jahrzehnten lag die Hansestadt in einer geopolitisch prekären Lage: Dänemark, Russland und auch Preußen warfen regelmäßig ihre Interessen auf das lübeckische Umland. Der Vertrag von Zarskoje Selo bedeutete für Lübeck mehr außenpolitische Ruhe, insbesondere durch den Rückzug Russlands aus der unmittelbaren Nachbarschaft.
Die Stadt konnte sich damit wieder stärker auf ihre innere Entwicklung konzentrieren, insbesondere auf Verwaltung, Handel und öffentliche Ordnung. Auch in den Lübecker Ratsprotokollen findet sich Erleichterung über die Stabilisierung der Region – ein gutes Jahr für Lübecks diplomatische Position, obwohl die Stadt formal nicht am Vertrag beteiligt war.
