UNTIL DAWN
Nachdem die Superhelden-Filme an der Box Office langsam ins Straucheln zu geraten scheinen, hat Hollywood vermehrt die Fühler in Richtung Computerspiel-Verfilmungen ausgestreckt. Doch auch hier gibt es einen stetigen Wechsel von Hit und Miss! Die Verfilmung des 2015 erschienenen Survival Horror Games „Until Dawn“ landet qualitativ irgendwo dazwischen. Spielefans bemängeln die fehlende Nähe zum Originalspiel, während Kritiker den Film als 08/15-Horrorstreifen abstempeln. Hier nun meine Meinung zum Schocker.
Eigentlich hatte ich schon lange vor, das Kultspiel „Until Dawn“ zu zocken, zumal ich das gruselige Nachfolge-Game „The Quarry“ mit Begeisterung mehrfach durchgespielt habe, um die verschiedenen Enden der Geschichte sichten zu können. Bei beiden Spielen handelt es sich quasi um Horrorfilme zum Durchspielen – mit verschiedenen Ausgängen – je nach Spielweise. Da der Film sich, dem Vernehmen nach, nur sehr lose an die Vorlage hält, drohte bei Sichtung des Films immerhin kein Spoiler in Richtung Gameplay, weswegen ich mich zu später Stunde auf die Couch fläzte und den Player startete.
Fünf Freunde befinden sich auf der Zielgeraden eines gemeinsamen Roadtrips. Doch was eigentlich ein spaßiger Urlaub hätte sein können, war in Wirklichkeit die verzweifelte Suche nach Melanie (Maia Mitchell), der seit einem Jahr vermissten Schwester von Clover (Ella Rubin). Die hat ein schlechtes Gewissen, da sie Melanie damals hat alleine fortgehen lassen. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Max (Michael Cimino), Nina (Odessa A’zion), Megan (Ji-young Yoo) und Abe (Belmont Cameli) klapperte Clober nun die letzten, bekannten Aufenthaltsorte von Melanie ab – ohne Erfolg. Einen letzten Versuch startet sie an einer ländlichen Tankstelle, deren Betreiber (Peter Stormare) tatsächlich einen möglichen Hinweis auf den Verbleib der jungen Frau gibt. Denn im nahegelegenen Kaff Glore Valley sollen in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Menschen wie vom Erdboden verschluckt worden sein.
Kurz vor Erreichen ihres Ziels geraten die Freunde in ein Unwetter, welches an der Stadtgrenze jedoch auf magische Weise aufzuhören scheint, ein Verlassen der Stadt jedoch unmöglich macht. Das Besucherzentrum von Glore Valley scheint zudem vollkommen verlassen zu sein, weswegen sich die Freunde dort erstmal einnisten. Im Gästebuch des Hauses entdecken sie, dass sich Melanie dort eingetragen hat – ganze dreizehn Mal in Folge. Doch als die Nacht hereinbricht, dreht sich eine mechanische Sanduhr auf Startposition und ein brutaler, maskierter Killer taucht auf, der bis zum Ablauf des weißen Sandes alle fünf Freunde umgebracht hat.
Hier ist der Film aber keineswegs zu Ende. Denn plötzlich wird die Zeit von der Sanduhr zurückgedreht und die abgeschlachteten Freunde erwachen, mit Blessuren, erneut zum Leben. Der schreckliche Abend wiederholt sich, immer und immer wieder, jedoch nicht auf die gleiche Art und Weise. Mit jedem Ableben kommt ein neuer Schrecken zum Vorschein und mit jedem Neustart verschlechtert sich der Zustand der Freunde. Werden sie aus diesem Albtraum einen Ausweg finden?
„Shazam!“ – Regisseur David F. Sandberg inszenierte bereits die Horrorfilme „Lights Out“ und „Annabelle 2“, er kennt sich also mit der Materie aus. Dies merkt man durchaus, denn Atmosphäre und Effekte, die erfreulicherweise oftmals handgemacht sind, wissen zu gefallen. Auch die Schauspieler geben ihr Bestes in diesem Ensemble-Horrorfilm. Was erstaunt, ist, dass man hier nicht den Weg eines „Happy Deathday“ geht und die Figuren aus den letzten Nächten lernen lässt, wie sie Möglichkeit haben, die schrecklichen Ereignisse vorauszuahnen. Stattdessen gibt es immer wieder neuen Schrecken, was immerhin zu allerlei Abwechslung auf dem Horror-Parkett sorgt. Hier ein Slasher, dort eine Portion Asia-Horror – für Vielfalt ist gesorgt.
„Until Dawn“ ist ein Film wie ein Jahrmarkts-Besuch. Man isst eine Bratwurst, fährt eine Fahrt mit der Achterbahn und dann gibts noch etwas Zuckerwatte. Das macht alles Spaß und schmeckt, ist aber wenig Gehaltvoll, genau wie dieser Film. Ich empfehle, die Erwartungshaltung auf eine adäquate Spieleumsetzung einzustampfen und hier und da das Gehirn auf Durchzug zu stellen, dann macht die kurzweilige Sause durchaus Spaß. Die Nummer mit dem Kaffee im Finale war aber dann doch vollkommen unlogisch, zumal wohl niemand an diesem Ort freiwillig… ach, seht selbst. Wie gesagt, Hirn aus und Film ab.
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