Warum Rechtsfragen bei Gründungen nicht vernachlässigt werden sollten
Häufig kommen im Alltag Gründende in die Gründungsberatung mit einer klaren Vision im Gepäck und einer glänzenden Produktidee im Kopf. Doch schon beim ersten Gespräch wird klar, dass die Rechtsfragen nicht in der Ferne liegen, sondern mitten im Gründungsprozess. Wer heute mit Begeisterung startet, vergisst oft, dass eine gute Idee erst dann erfolgreich und vor allem langfristig erfolgreich sein kann, wenn die Rechtsthemen sauber mitgedacht werden und ggf. auch Rechtsberatung in Anspruch genommen wird.
Bei einer Gründung stellen sich den Gründenden viele Fragen wie die Notwendigkeit einer passenden Rechtsform, die Haftung, steuerliche Aspekte, der Schutz einer Gründungsidee durch ein Patent oder Markenanmeldung. Zusätzlich muss überlegt werden: Wer ist wofür verantwortlich? Natürlich ist es immer verlockend, Rechtsaspekte erst später zu betrachten, bis die erste Finanzierung steht oder der/die erste Kund*in gewonnen ist. Im Fokus der Gründenden steht die Entwicklung der Idee und des Geschäftsmodells. Doch genau hier können im Nachhinein Stolpersteine entstehen. Verträge, Nutzungsbedingungen, Compliance-Vorgaben, Mitarbeiter*innenbeteiligungen, Datenschutz sind von Beginn an mitzudenken, um das Unternehmen rechtlich sauber zu gründen.
Aus persönlicher Erfahrung als Gründungsberaterin kann ich allen Gründenden drei Empfehlungen mit auf den Weg geben.
1. Klärt die Rechtsform möglichst früh: Die Wahl der Gesellschaftsform hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Haftung, Steuern und Gewinnverteilung. Auch für die Investor*innen ist die Wahl der Rechtsform wichtig. Der erste Gründer*innengedanke ist schnell „Wir gründen eine GmbH“, was auch zunächst praktikabel klingt, vielleicht macht aber eine UG oder eine GbR für die Unternehmensgründung viel mehr Sinn. Eine kurze, klare Beratung verhindert später teure Änderungen.
2. Verträge rechtzeitig erstellen: Gesellschaftsverträge, Gesellschafter*innenvereinbarungen, Arbeitsverträge, NDA, Liefer- und Lizenzverträge müssen eindeutig, rechtssicher und nachvollziehbar formuliert sein. Gerade in Gründungsteams sind klare Verantwortlichkeiten und vorher definierte Exit-Regeln essenziell, um spätere Konflikte im Team zu vermeiden.
3. Frühzeitig Rechtsberatung nutzen: Rechtliche Beratung ist kein Luxus, auch wenn es zunächst teuer erscheint, sondern eine Investition in die Zukunft. Wenn die Beratung bereits vor den ersten Verträgen oder Investorenkontakten in Anspruch genommen wird, kann bares Geld gespart und Unsicherheiten vermieden werden.
Die WTSH und der GründerCube, die gemeinsame Gründungsberatung der Technischen Hochschule Lübeck und der Universität zu Lübeck, bieten zusammen für diese entstehenden Rechtsfragen eine Online-Seminarreihe „Gründen mit Recht“ an. Rechtsanwält*innen erzählen zu Beginn allgemeine Informationen über die verschiedene Rechtsthemen wie Gesellschafts-, Arbeits- und Steuerrecht usw. Im Anschluss haben die Gründenden die Möglichkeit direkte Fragen zu stellen und erste Tipps von den Expert*innen zu erhalten. Hier mein Tipp. Nutzt diese Möglichkeiten, nehmt an Veranstaltungen teil, stellt kostenlos erste Fragen und geht dann frühzeitig zur Rechtsberatung, um euer Unternehmen von Anfang solide aufzubauen.
Adresse: GründerCube, Maria-Goeppert-Straße 1 a, 23552 Lübeck
Website: www.gruendercube.de
