LÜBECK – SCHREIB MIR. ABER ERWARTE NICHTS.
Manchmal frage ich mich ja wirklich, ob das hier überhaupt jemand liest.
Also wirklich liest.
Nicht überfliegt.
So richtig mit Kopf. Und vielleicht sogar ein bisschen mit Herz.
Denn ich sitze hier, tippe mir die Finger wund,
reiße Gedankenspagate,
balanciere zwischen Pointe und Provokation
– und am Ende?
Stille. Außer in meinem Kopf.
Kein Applaus. Keine Buhrufe. Kein digitaler Wurf mit faulen Eiern.
Nur… Weiterscrollen.
Nicht mal ein Emoji.
Kein „Haha“.
Kein „Wow“.
Kein „Daumen hoch“ –
der inflationärste Nicht-Kommentar der Welt.
Und deshalb frage ich mich heute:
Was, wenn ich einfach mal euch frage?
Dich da draußen.
Ja, genau dich.
Du, der (oder die oder das oder was auch immer du bist)
gerade diese Zeile liest.
Schreib mir.
Kein Roman. Kein Kompliment. Kein Hassbrief.
Nur ein „Ich lese dich.“
Ein „Hey.“
Ein Punkt. Ein Leerzeichen.
Von mir aus schick mir nur einen Emoji mit dem Gesicht, das du beim Lesen machst.
Ein Zeichen. Ein Lebenszeichen.
Weil ich wissen will: Bin ich hier alleine im Raum?
Oder sitzt du da – in Lübeck –
und denkst dir beim Lesen manchmal auch:
„Endlich sagt’s mal einer.“
Oder:
„Was’n arroganter Fatzke.“
Wie auch immer.
Ich antworte nicht.
Versprochen.
Weil’s nicht um Dialog geht.
Nicht heute.
Nicht bei dieser Kolumne.
Nur um ein kurzes „Ich bin da.“
Ein virtuelles Zwinkern.
Ein Augenzucken im Lärm der Welt.
Also, los:
Schreib mir.
Hier.
Jetzt.
Weil vielleicht genau du der Beweis bist,
dass Worte noch landen.
Auch in 2025.
Auch zwischen Push-Nachricht und Pommes.
Und dann?
Mach einfach weiter.
Mit deinem Tag. Mit deinem Leben. Mit allem.
So wie ich auch.
Nur vielleicht ein kleines bisschen weniger allein.
alex@iwrotethisshit.co
Über den Autor
Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.
Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.
Photo Credits: Alexander Lachmann
