Filmtipp

Chrischis Filmtipp zum Wochenende

FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS

Habt Ihr Lust auf einen wilden Trip? Dann braucht Ihr nicht zu irgendwelchen schädlichen Drogen zu greifen – das erledigen Raoul Duke und Dr. Gonzo für Euch. Unter der Regie von Ex-Monty Python Terry Gilliam entstand, nach der Kultvorlage von Hunter S. Thompson, ein psychedelischer Drogentrip, der ebenso genial geriet, wie der Roman. Optisch ein echtes Kunstwerk, in dem Johnny Depp und Benicio Del Toro kaum wiederzuerkennen sind.

Der renommierte US-Kritiker Roger Ebert schrieb über „Fear and Loathing in Las Vegas“, der Film sei ein grässlicher Wirrwarr, formlos, handlungslos und sinnlos. Dazu passt, dass der von Terry Gilliams ambitioniert gefilmte Dauertrip lediglich 10,7 Mio Dollar an der US-Kinokasse einbrachte. Zunächst also ein herbes Verlustgeschäft, doch im Heimkinobereich avancierte das Werk schließlich zum Kultfilm, der die wohl außergewöhnlichsten Performances von Benicio Del Toro und vor allem Johnny Depp zu bieten hat – und Letzterer war immerhin Jack Sparrow.

In „Fear and Loathing in Las Vegas“ verkörpert er den Sportjournalisten Raoul Duke, der anno 1971 vom Offroad-Motocross-Rennen Mint 400, welches in der Wüste bei Las Vegas stattfindet, berichten soll. Den Roadtrip dorthin tritt Raoul jedoch nicht allein an; er hat außerdem noch seinen befreundeten Rechtsanwalt Dr. Gonzo (Benicio Del Toro) und einen Koffer voller Drogen im Gepäck. Unpraktischerweise haben sich die beiden bereits auf der Anfahrt den ein- oder anderen Trip eingeworfen. Insbesondere bei Raoul kickt es gewaltig. Erst erscheint ihm ein aggressiver Schwarm Fledermäuse, dann verängstigt er mit seinem Verhalten einen schüchternen Anhalter (Tobey Maguire) und schließlich dreht er beim Einchecken an der Presseregistrierung im Hotel vollkommen durch, als sich der Boden und die Körper um ihn herum zu verformen beginnen. Glücklicherweise behält Dr. Gonzo weitestgehend die Kontrolle und so kommen die beiden Reisenden schließlich doch noch auf ihr Zimmer.

In diesen ersten Filmminuten wird klar, dass Terry Gilliam sehr wohl wusste, was er da drehte, denn die Drogenszenen, deren Zeuge wir über den gesamten Film hinweg werden, sehen außergewöhnlich realistisch aus – man fühlt quasi die Drogen, die die Figuren eingenommen haben, obwohl man selbst stocknüchtern auf der heimischen Couch sitzt, so intensiv ist die Szenerie inszeniert. Der Ex-Monty Python ist seit jeher ein Meister des bizarren Kinos, dass wussten wir dank „Die Ritter der Kokosnuss“, „Brazil“ und „12 Monkeys“ längst. Hier allerdings übertraf er sich bezüglich der Surrealen Komponente selbst.

Die Darsteller sind allesamt hervorragend und überzeugen durch unbändige Spielfreude. Benicio Del Toro ist nicht wiederzuerkennen, ebenso wie Tobey Maguire. Nicht der einzige prominente Nebendarsteller – die tummeln sich hier nämlich in kleinen Rollen. Gary Busey, Elen Barkin, Cameron Diaz, Mark Harmon bis hin zu Christina Ricci, deren Rolle das Schicksal eines der beiden Hauptprotagonisten bestimmt. Den Vogel schießt aber ganz klar Johnny Depp ab, der Schönling beweist hier, wie auch sein Schauspielkollege Del Toro, Mut zur Hässlichkeit. Mit Haarkranz und Brille agiert er hier als Alter Ego von Buchvorlagenautor Hunter S. Thompson, der seine ganz eigenen Erfahrungen eines Journalismus-Trips, gemeinsam mit dem, seit 1974 als vermisst geltenden, Rechtsanwalt Oscar Zeta Acosta auf die Reise voller Uppers und Downers begab.

Auch wenn es zunächst den Anschein macht, „Fear and Loathing in Las Vegas“ ist kein Loblied auf den Drogenkonsum. Was wie eine schräge Party beginnt, mutiert mit zunehmender Laufzeit zum Bad Trip voller schlechter Entscheidungen, depressiven und schizophrenen Ausbrechern und schließlich zu üblen, schicksalhaften Entscheidungen, die das Leben der beiden Protagonisten für immer verändern werden. Kommentiert wird das Ganze von Raoul Duke aus dem Off, ganz im Stil der Gonzo-Reportagen Hunter S. Thompsons. Diese Form von Journalismus stellt das Erlebte des Reporters in den Vordergrund und nicht das zu behandelnde Event (in diesem Fall das Offroad-Rennen). Am Ende ist die Party vorbei, Thompson/Duke hat seine Lehren aus dem Erlebten gezogen und das aufmerksame Publikum mit Sicherheit auch.

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