Die spinnen … die Lübecker.
Okay – nicht nur die Lübecker. Die Menschen allgemein.
Ist es das Wetter, das ihnen zusetzt?
Oder vielleicht doch die Geschwindigkeit der Welt?
Wobei – dreht die sich nicht immer gleich schnell?
Alles fühlt sich an wie ein beschleunigtes Karussell ohne Haltestelle.
Alle reden von Digitalisierung. Von Fortschritt. Von Zukunft.
Und alle wirken gleichzeitig so … überfordert.
Mails beantworten, noch bevor sie geschrieben wurden.
Antworten geben bevor überhaupt einer eine Frage stellt.
Auf WhatsApp tippen, obwohl man im Gespräch ist.
Drei Tabs offen. Fünf Gedanken gleichzeitig.
Und keiner wirklich zu Ende.
Es färbt ab. Auf alles.
Autofahren zum Beispiel:
Warum hacken manche Vollidioten mit 60 durch die 30erZone?
Weil sie’s können? Weil sie‘s müssen?
Oder weil sie einfach genauso gehetzt sind wie ihre Timeline?
Wir hetzen. Wir rennen. Wir springen.
Selbst in Lübeck.
Und Lübeck, das ja sonst so gerne mit seinem Kopfsteinpflaster bremst,
mit seinem Backstein entschleunigt,
mit seinen Pflasterfugen zum Durchatmen zwingt.
Wo Baustellen so sinnvoll geplant werden, wie Zahnschmerzen …
selbst Lübeck scheint plötzlich auf die Tube zu drücken.
Wobei?
Wenn man genau hinschaut,
läuft hier vieles immer noch genauso langsam.
Und manchmal ist das gar nicht so schlecht.
Vielleicht spinnen sie wirklich, die Lübecker.
Aber vielleicht genau im richtigen Tempo.
Und vielleicht sollten wir alle mal einen Gang runterschalten,
bevor wir uns selbst überholen.
Über den Autor
Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.
Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.
Photo Credits: Alexander Lachmann
