LÜBECK – EIN DATE GEHT NOCH
Manchmal muss man ja einfach mal raus.
Raus aus der Stadt.
Raus aus den Routinen.
Raus aus dem politischen Bühnennebel, wo jeder Move kalkuliert ist – und doch keiner trifft.
Man muss weg, um wieder Nähe zu spüren.
Zu sich.
Zu dem Ort, den man Heimat nennen will.
Oder wenigstens: Ausgangspunkt.
Ich war in Hamburg.
Ich war in Braunschweig.
Ich war unterwegs.
Kunst zeigen. Gespräche führen. Schaffen statt verwalten.
Und siehe da: Je weiter ich ging, desto näher kam mir Lübeck.
Nicht in großen Gesten.
Aber in kleinen Nachrichten.
„Schade, dass du gerade nicht da bist.“
„Hab gehört, du hängst jetzt bei Hannemann.“
„Sag Bescheid, wenn du zurück bist.“
Klingt banal. Ist es aber nicht.
Es ist diese Art von Nähe, die nicht laut ist. Aber ehrlich.
Keine PR. Keine Quote. Kein Politprogramm.
Einfach: Du fehlst. Komm zurück.
Und da sind wir jetzt.
Wieder ein bisschen wärmer.
Noch nicht verliebt. Aber interessiert.
Nicht mehr auf Abstand. Aber auch nicht gleich zusammenziehen.
Meine erste Kolumne hieß „Lübeck auf den vierten Blick“.
Weil es eben ein bisschen dauert mit uns beiden.
Weil Lübeck kein Tinder-Match ist.
Eher so ein langsames Wiedersehen nach Jahren.
Zuerst denkst du: Ach ja, der alte Bekannte.
Dann plötzlich: Warte mal… hat der was Neues an?
Nein, Lübeck ist noch keine Liebe.
Aber: Das nächste Date kann kommen.
Vielleicht mit Espresso. Vielleicht mit Elan. Vielleicht sogar mit Ideen.
Und wer weiß – vielleicht sehen wir uns dann endlich klar.
Denn manchmal muss man sich rar machen,
damit der andere merkt, was fehlt.
Und was möglich wäre.
Nur küssen tun wir uns noch nicht.
Aber ein Lächeln ist schon drin.
Und ein feuchtwarmer Händedruck.
Na, Gott sei dank.
Über den Autor
Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.
Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.
Photo Credits: Alexander Lachmann
