AL

Immer Theater mit der Werbekunst.

Alexander Lachmann spricht mit Alexander Lachmann

Lübeck – A man between art and advertising
Ein Solo in drei Akten. Ohne Pause. Mit Pausen.
Ein Textstück mit Zwischenrufen, Flüstern, Megafon.

Ein weißer Raum. Leere Leinwand.
Ich stehe da.
A man between art and advertising.
Ein Mann, gefangen zwischen der Freiheit des „Was wäre wenn“
und der Deadline des „Was kostet das denn?“.

Ich denke in langlebigen Bildern.
Und schreibe kurze Headlines.
Ich will Bedeutung.
Und produziere Bedeutungslosigkeit im Paketpreis.
3 Claims für 2500 brutto.
Wortgewalt als Wegwerfware.

A man between art and advertising.
Ein Mann, der morgens ein Manifest schreibt
und mittags ein Mailing für einen Bausparvertrag.
Ein Mann, der den Unterschied kennt zwischen „Wort“ und „Wirkung“.
Zwischen „berühren“ und „verkaufen“.

Die Kunst flüstert:
Lass ihnen Raum.
Die Werbung brüllt:
MACH SIE DUMM. UND SCHNELL!

Die Musik pulsiert. Das Strobo setzt ein.
A man between art and advertising.
Worte wie Schwerter.
Worte wie Dolche.
Worte wie Vorschlaghammer.
Ein Angebot, so oft wiederholt, bis du es vergisst.
REBOOT. REPEAT.
REBOOT. REPEAT.
Ein Sale. Eine Season. Ein Slogan.
Denk nicht. Kauf. Jetzt.

Ich schreibe.
Und lösche.
Und schreibe neu.
Und frage mich: Für wen?
Für was?
Und wie lange noch?

A man between art and advertising.
Der am Montagmorgen eine Kampagne für eine Biermarke pitcht
und am Dienstagnachmittag einen Text über gesellschaftliche Kälte schreibt.
Der sich fragt, ob das eine das andere zerstört.
Oder ob beides am Ende nur ein Spiegel ist.

Der Raum wird dunkel. Nur noch ein Spot.
Ich bin sicherer als je zuvor.
Weil ich mehr gesehen habe.
Weil ich schneller sehe.
Weil ich Menschen erkenne, bevor sie ihre Rolle spielen.
Und weil ich meine eigene nicht mehr verstecken muss.

A man between art and advertising.
Und vielleicht ist das gar kein Widerspruch.
Sondern ein Dazwischen.
Ein Raum.
Ein Ort, an dem neue Dinge entstehen.
Dinge, die wirken dürfen – und nicht nur funktionieren müssen.

Ich will Kunst, die bleibt.
Und Kommunikation, die denkt.
Ich will keine Messages mehr mit Lautstärke, sondern mit Tiefe.
Keine Claims mit 30% Rabatt, sondern Ideen mit 100% Haltung.

A man between art and advertising.
Ein Mann zwischen Vision und Verkoofe.
Zwischen Spaß und Abarbeiten.
Zwischen Immer-wieder-und-nochmal und: NEIN. Jetzt anders.

Vorhang. Applaus. Oder auch nicht.

A man between art and advertising.
Mehr Art als ever.
Mehr Ich als früher.
Mehr Wort als Werbung.

Und das reicht.
Für jetzt.

Über den Autor

Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.

Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.

Photo Credits: Alexander Lachmann

Comments are closed.