LÜBECK – ROLL MIT MIR, BABY
Ich mach jetzt in Rollatoren.Kein Scherz. Kein Gag. Kein satirischer Selbstfindungstrip mit ironischer Überhöhung. Nein. Echt jetzt.
Am 19. Juni ziehe ich los, verlasse mein Lübeck für ein paar Stunden Richtung Hamburg – zur Social Design Week. Und da steht auf dem Programm: Pimp my Rollator.
Ja. Das ist eine offizielle Veranstaltung. Nein, da wird nicht einfach Blümchenfolie auf alte Räder geklebt. Da geht’s um mehr. Um Haltung. Tempo. Design. Würde. Und eine kleine Prise Wahnsinn.
Mein Ziel?
Einen Rollator so umgestalten, dass er im Stand schnell aussieht.
„Schnell im Stand.“
Schon dieser Satz ist eine Philosophie. Ein Widerspruch mit Stil. Eine Einladung zum Staunen.
Denn wer sagt eigentlich, dass man mit 4 Rädern und einem Sitz nicht aussehen kann wie 200 km/h auf der linken Spur?
Ich will provozieren. Charmant natürlich.
Denn warum sind Gehhilfen eigentlich immer grau? Immer medizinisch? Immer: „Ich bin alt, bitte seht weg“?
Warum nicht: „Ich bin hier, seht her!“?
Warum nicht Flammenmuster? Tiefergelegte Reifen? Spoiler mit Stil?
Wer sagt, dass Würde nicht auch ein bisschen wild sein darf?
Das Schöne daran: Es geht nicht nur ums Design. Es geht ums Denken.
Um Tempo in der Langsamkeit.
Um Stil in der Notwendigkeit.
Um Aufmerksamkeit für etwas, das sonst still durch die Straßen klappert – übersehen, übergangen, überhört.
Und ja, ich weiß: Ich bin keine 80. Noch nicht.
Aber ich weiß, wie es ist, wenn man übersehen wird.
Wenn man das Gefühl hat, nicht mehr mitzufahren, sondern am Rand zu stehen.
Und deshalb mach ich das.
Nicht weil ich muss.
Sondern weil ich will.
Weil ich glaube, dass alles – wirklich alles – eine Bühne sein kann.
Auch ein Rollator.
Also: Hamburg, zieh dich warm an.
Denn mein Rollator sieht aus, als würde er gleich durchstarten.
Und vielleicht, nur vielleicht, bringt er uns ein Stück weiter – in Richtung Menschlichkeit mit Tempo.
Über den Autor
Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.
Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.
Photo Credits: Alexander Lachmann
