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Wer zuletzt Lachmannt Lachmannt am Besten.

Alexander Lachmann spricht mit Alexander Lachmann

„Ich bin kein Leuchtturm. Ich bin eher das rote Blinklicht auf dem Dach.“

Ein Selbstgespräch. Und ein paar kluge Sätze

Alexander Lachmann im Gespräch mit Alexander Lachmann
Creative Director. Künstler. In erster Linie: Mensch mit Störgeräusch.

Alexander: Warum machst du Kunst?
Alexander: Weil Werbung nervt. Weil Werbung lügt. Weil Werbung mit sich selbst rummacht und das dann „Strategie“ nennt. Und weil ich irgendwann gemerkt habe: Ich werde benutzt, um Dinge zu erzählen, die ich nicht glaube. Und ja, ich mache da trotzdem weiter. Es macht ja auch irgendwie Spaß.

Alexander: Aber du warst gut in Werbung.
Alexander: Ich war sehr gut darin. Und ich bin es noch. Wobei? Wenn es nach manchen selbstgefälligen Agenturen geht, dann nicht. Aber was heißt das schon? „Gut“. Das ist doch ein Spielbegriff. Wie in der Schule. Werbung bewertet alles – Reichweite, KPIs, Awards. Nur nicht, wie es sich anfühlt.

Alexander: Und Kunst ist anders?
Alexander: Ja, senk ich schon. Es fühlt sich zumindest so an. Kunst ist frei. Kunst fragt nicht nach „Deliverables“. Kunst fragt dich: Meinst du das ernst? Und das ist eine brutalere Frage als jede Präsentation.

Alexander: Warum meinst du, bist du ein guter Künstler?
Alexander: Was soll das heißen – guter Künstler? Kunst ist doch keine Olympiade. Ich will nichts gewinnen. Ich will dich treffen. Mitten im Bauch. Manchmal auch am Hals. Im Gesicht. Im Kopf. Herzen. Was weiß ich wo. Einfach treffen. Reicht doch.

Alexander: Bist du eitel?
Alexander: Natürlich bin ich eitel. Ich trage schwarze Pullover und hab eine Website mit einem Namen, den man sich merkt. Aber das ist Form. Inhalt ist: Ich versuche, die Wahrheit zu sagen. Und manchmal ist das ganz schön nackt.

Alexander: Wie sehen dich andere Menschen?
Alexander: Wenn ich sagen würde, weiß ich nicht, wäre das glatt gelogen. Aber ich weiß es nicht. Ich habe nur Vermutungen. Ich glaube, viele haben Angst. Nicht vor mir – eher vor dem, was sie in sich spüren, wenn ich ihnen einen Spiegel hinhalte.

Alexander: Warum bist du laut?
Alexander: BIN ICH NICHT! Früher war ich laut, weil ich nicht wusste, wie ich sonst sicher bin. Heute bin ich klar. Es gibt einen Unterschied. Ich muss nicht mehr schreien. Ich wähle meine Wörter wie ein Chirurg sein Skalpell.

Alexander: Wie findest du Schwanzvergleiche?
Alexander: Ja … Lächerlich. Tragisch. Vor allem in Meetings. Dieses ewige Gegockel. Wer hat den größeren. Nur leider stellt sich niemand die Frage: Was macht das mit dir?

Alexander: Warum dieser Drang, der Beste zu sein?
Alexander: Ich hab nicht den Drang, der Beste zu sein. Überhaupt nicht. Ich weiß nicht mal, was das bedeutet? Wir sind irgendwie in einem System groß wurden, das uns mit Noten konditioniert hat. Und dann mit Karriere. Und dann mit Vergleichen. Kunst fragt für mich nicht: „Wie gut war das?“ Kunst fragt: „Hast du geweint?“

Alexander: Was macht dich wütend?
Alexander: Zynismus. Diese Haltung, alles zu kennen und deshalb nichts mehr fühlen zu müssen.

Alexander: Was macht dich weich?
Alexander: Zu wenig Sport. Ein ehrlicher Satz. Meine Familie.

Alexander: Und Deutschland?
Alexander: Deutschland macht mich eher nachdenklich. Deutschland ist wie (m)ein Vater, der immer Recht hat. Auch wenn er Unrecht hat. Ich liebe es. Ich schäme mich dafür. Ich bin deutsch, weil ich mich frage, ob ich deutsch sein will.

Alexander: Warum „iwrotethisshit“?
Alexander: Ist ja n wahrer Satz. Ich hab‘s geschrieben. Es mir gehört. Es geht nicht um Ego. Und weil das „shit“ alles relativiert. Ich nehme das Schreiben ernst – aber nicht mich.

Alexander: Und „einwortsagtmehralstausendbilder.de“?
Alexander: Weil ein Wort reichen kann. Manchmal ist es „bleib“. Manchmal „geh“. Manchmal „ja“. Kunst braucht nicht viel. Sie braucht nur Ehrlichkeit.

Alexander: Warum stellst du dir all diese Fragen?
Alexander: Weil sonst niemand fragt. Weil ich wissen will, was ich denke. Und weil ich hoffe, dass jemand zuhört, der sich selbst darin wiederfindet.

Alexander: Und wenn nicht?
Alexander: Dann habe ich zumindest mich selbst nicht belogen.

Schlussfrage:
Alexander: Was bleibt, wenn alles weg ist?
Alexander: Ein Satz, der wirklich war. Ein Blick, der etwas verändert hat. Vielleicht ein leeres Blatt, das jemand Mut macht, es selbst zu füllen.

Über den Autor

Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.

Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die ab 15. Mai in Braunschweig beim Paritätischen Dienst hängt. Noch bis 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.

Photo Credits: Alexander Lachmann

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