Lübeck. Ich. Die Kunst. Und Kommerz.
Die Hanse-Schule war da. Schwarmweise. Unterschiedliche Ausbildungsklassen, unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Fragen. Manche guckten sich interessiert um, andere guckten auf ihr Handy. Manche stellten Fragen, andere warteten auf den erlösenden Gong, der nicht kam. Die Erlösung schon irgendwann. Und trotz aller Unterschiede kam sie immer wieder, die eine Frage: „Kannst du von der Kunst leben?“
Nein. Aber ich kann mit der Kunst leben, die ich mache.
Stille. Blickaustausch. Ein bisschen Stirnrunzeln. Was redet der Onkel da? Was heißt das jetzt? Also so richtig? Ist das gut? Schlecht? Ist das Romantik oder schon Resignation? Ich hätte ansetzen können, erklären: Dass Kunst nicht die Miete zahlt, aber Räume schafft. Dass sie keine Rechnungen begleicht, aber Gedanken anschiebt. Dass es nicht ums Überleben geht, sondern ums Sein. Stattdessen wand ich mich aus dieser Antwort raus wie ein Aal. Faselte irgendwas davon, dass ich im wahren Leben ja eigentlich Werber bin.
Werbung. Pffff. Geht’s noch unbeliebter? Warum hab ich nicht gleich gesagt, ich bin Politiker? Na ja, ich wollte jetzt ja auch nicht lügen. Und ja, Werbung bringt Geld. Zumindest meins. Nicht mehr so viel wie noch vor ein paar Jahren, aber immerhin mehr als die Kunst. Werbung ist kreativ, natürlich, aber sie ist nicht frei. Sie ist eingehegt, beschnitten, ausgebremst – durch Budgets, durch Zielgruppenanalysen, vor allem aber durch Egos. Große Kampagnen entstehen nicht durch große Ideen, sondern durch das Geschick, sich durch Hierarchien zu lavieren.
Und doch, das Gespräch mit den Schülern hat Spaß gemacht. Die unterschiedlichen Perspektiven, die Momente, in denen jemand wirklich wissen wollte, wirklich verstehen. Und ich erinnere mich an mich selbst, damals, mitten in meiner Ausbildung zum Werbekaufmann. Damals war Werbung noch größer, wilder, hemmungsloser. Eine Ausstellung haben wir nie besucht. Wäre vielleicht ganz gut gewesen. Aber ich war damals noch nicht in Lübeck.
Denn: Lübeck bietet viel. Kultur, Möglichkeiten. Es liegt alles da. Man muss es sich nur nehmen. Selber machen. Sich durchbeißen. Die Stadt legt es einem nicht in den Schoß, aber wenn man sucht, findet man. Immer.
Über den Autor
Alexander Lachmann, Jahrgang 1982 ist kreativer Unternehmensberater – mit seinem eigentlich Titel Creative Director Text und Konzept kann ja kein normaler Mensch was anfangen. Alexander Lachmann erarbeitet Werbekampagnen. Er schreibt sie. Vom großen Dachgedanken bis zum kleinen Instagram-Post. Filme, Plakate, Flyer. Und jetzt auch diese Kolumne. Auf seiner Website www.iwrotethisshit.com gibt es einen Auszug seiner bisherigen Arbeiten.
Ende 2024 gründete er das Kunstprojekt www.einwortsagtmehralstausendbilder.de. Bereits Ende Januar 2025 konnte er seine erste eigene Ausstellung „Hashtagreality“ realisieren, die noch bis Ende April im Übergangsraum am Rathaus (Breite Straße 81) nach Voranmeldung besucht werden kann. Noch bis zum 30. Juni ist er im Übergangsraum heimisch – und danach auf der Suche nach einem neuen kreativen Ort.
Photo Credits: Alexander Lachmann
