Hoch zu Ross
Die Entstehung des Reiterstandbildes Kaiser Wilhelms I. war von zahlreichen Diskussionen, Verzögerungen und politischen Umbrüchen geprägt. Dennoch setzten sich engagierte Persönlichkeiten immer wieder für seine Fertigstellung und Erhaltung ein. Heute steht das Denkmal zwischen Hauptbahnhof und Lindenplatz und erinnert an eine bewegte Geschichte, die von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart reicht.
Streit um den Standort
Schon am 31. März 1888 beschlossen der Senat und die Bürgerschaft der Hansestadt, Kaiser Wilhelm I. mit einem Denkmal zu ehren. Doch immer wieder führten Streitigkeiten über den Standort und die Gestaltung zu Verzögerungen. Zusätzlich erschwerten der Erste Weltkrieg und seine politischen Folgen die Umsetzung der Pläne. Ursprünglich sollte das Denkmal auf dem Rathausmarkt stehen, weshalb man dort am 22. März 1897, dem 100. Geburtstag des Kaisers, feierlich den Grundstein legte.
Rettung vom Denkmal
Erst 1912 erhielt Louis Tuaillon den Auftrag, ein Reiterstandbild anzufertigen. Obwohl das Gussmodell 1916 bereitstand, verhinderte der Krieg die Ausführung, da alle Metalle für militärische Zwecke benötigt wurden. Schließlich fertigte man 1921 unter der Aufsicht von August Gaul einen Abguss an, doch der Bildhauer erlebte die Vollendung seines Werkes nicht mehr. Inzwischen hatte sich das Kaiserreich in eine Republik gewandelt, und das öffentliche Interesse an einem Kaiserdenkmal schwand zunehmend.
Um das Denkmal vor der Einschmelzung zu bewahren, kaufte der Privatmann Siegfried Buchenau es und stellte es am 4. Juli 1922 auf seinem Gut Niendorf-Reecke auf. Doch damit endete die Geschichte nicht: Am 30. Mai 1934 erwarb die Hansestadt das Reiterstandbild zurück und brachte es an seinen heutigen Standort zwischen Hauptbahnhof und Lindenplatz.
Bismarcks Vermächtnis
Durch zahlreiche Wendungen und den Einsatz engagierter Persönlichkeiten überstand das Denkmal politische Umbrüche und den drohenden Verlust. Heute erinnert es nicht nur an Kaiser Wilhelm I., sondern auch an eine wechselvolle Geschichte, die von Beharrlichkeit und dem Erhalt historischer Kunstwerke geprägt ist.
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Photo Credits: A.S
Adresse: Lindenplatz Lübeck
Website: Kunst@SH
