Film

Chrischis Filmtipp zum Wochenende

BABYLON – RAUSCH DER EKSTASE

Nachdem Hollywood-Wunderkind Damien Chazelle mit „Whiplash“ und „La La Land“ bei Kritikern und Publikum für Begeisterung sorgte, blickte die Filmwelt gespannt darauf, was er als nächstes anpacken würde. Doch der Folgefilm „Aufbruch zum Mond“ blieb etwas hinter den Erwartungen zurück.

Mit „Babylon – Rausch der Ekstase“, einem starbesetzten Mammutwerk über die Zeiten, als der Stummfilm vom Tonfilm abgelöst wurde, war das Feuilleton sich sicher, den nächsten, gewinnbringenden Geniestreich auf der großen Leinwand präsentiert zu bekommen. Doch die Kritiken blieben verhalten und das zahlende Publikum wusste nichts mit der schrägen Abrechnung der goldenen Jahre Hollywoods anzufangen. Der Film floppte gnadenlos. Trotzdem ist er im Heimkino einen Blick wert.

In den späten 20er Jahren berauschte sich Hollywood nicht nur am entstehenden Film-Boom, sondern auch an ausschweifenden Partys mit viel Sex und noch mehr Drogen – ein Sündenpfuhl, der so manchem Starlett, Schauspieler und auch Statisten das Leben kosten sollte. Scheiß drauf, man lebt nur einmal und die Kassen klingelten. „Babylon – Im Rausch der Ekstase“ startet mit so einer ausschweifenden Party, bei der Studioboss Don Wallach (Jeff Garlin) die Hollywoodelite um sich schart und auf der sogar ein Elefant seinen Auftritt bekommen soll.

Neben dem Stummfilmstar Jack Conrad (Brad Pitt), der sich gerade wieder einmal scheiden lässt und der sehr gerne dem Alkoholgenuss frönt, sind auch der schwarze Jazz-Musiker Sidney Palmer (Jovan Adepo), die zielstrebige Nellie LaRoy (Margot Robbie), die von sich selbst behauptet, sie sei ein Star, obwohl sie noch niemals vor der Kamera stand und der Angestellte Manny Torres (Diego Calvas) vor Ort. Diese drei Jungtalente träumen vom großen Durchbruch im Filmbusiness und wir folgen ihnen 189 Minuten durch die Höhen und Tiefen der frühen Ära Hollywoods.

Steiler Aufstieg

So werden wir Zeuge, wie es Nellie gelingt, als Ersatzschauspielerin an ein Filmset zu gelangen, wo die energische und zielstrebige Frau sich so sehr reinhängt, dass sie sich schließlich tatsächlich zu einem Star mausert. Als in den Dreißigern der Tonfilm vermehrt produziert wird, hält ihr Starruhm an, doch ihr ausschweifender Lebensstil wird ihr später noch Schwierigkeiten bereiten. Auch Jack hat es nicht leicht, verblasst sein Ruhm doch mit dem Tonfilm gänzlich, die Studiobosse mögen ihn aber und besetzen den Lebemann weiterhin in kleineren, unbedeutenden Rollen. Manny, der als sein Assistent arbeitet, steigt im Laufe seiner Karriere zum Studioleiter auf. Als dieser verschafft er Jazzmusiker Sidney eine Chance, doch der bekommt am Set den vorherrschenden Rassismus zu spüren. So soll er sich, aufgrund des blendenden Scheinwerferlichts, sein Gesicht zusätzlich mit Kohle schwärzen, um nicht wie ein Weißer zu wirken.

Der fehlende, rote Faden der Geschichte Rund um den Wandel der Filmkunst dürfte einer der Hauptgründe für das finanzielle Scheitern von „Babylon – Rausch der Ekstase“ gewesen sein. Vielleicht auch die Tatsache, dass Damien Chazelle die frühen Jahre des Filmbusiness oftmals von seiner hässlichen Seite zeigt. Etwa, wenn Heroinsüchtigen die Aussicht auf einen befreienden Schuss als Bezahlung angeboten wird, damit sie im gerade produzierten Historienschinken als günstige Statisten fungieren dürfen oder wenn immer wieder Menschen am Filmset zu Tode kommen, aufgrund der widrigen Umstände, unter denen die Filme entstehen. Auch die ein- oder andere schlüpfrige Partyszene dürfte dem prüderen Zuschauer einen Deut zu viel sein, wenn sich zum Beispiel einer der Produzenten auf den strammen Bauch pinkeln lässt, weil er es schlichtweg geil findet.

Filmisch ist die ganze Nummer aber über jeden Zweifel erhaben. So beeindruckt „Babylon – Rausch der Ekstase“ bereits zu Beginn mit einer tollen Plansequenz in der ersten Partyszene. Die Ausstattung ist ebenfalls phänomenal. Auch die Schauspieler sind hervorragend, allen voran Margot Robbie, die Emma Stone ersetzte und sich die Seele aus dem Leib spielt. Allein ihre Performance ist es absolut wert, diesen Film zu sichten, auch wenn sie optisch überhaupt nicht ausschaut wie die Damen der 20er-/30er-Jahre. Brad Pitt ist natürlich ebenfalls eine Bank und auch Diego Valva („Narcos: Mexico“) und Jovan Adepo („Fences“) liefern gute Performances ab. Im dem etwas überlangen 189 Minuten geben sich die Stars die Klinke in die Hand. So sehen wir des weiteren Jean Smart, Olivia Wilde, Lukas Haas, Eric Roberts und Samara Weaving. Den absoluten Vogel schießt aber Tobey Maguire ab, der einen besonders bizarren Auftritt darbietet.

Insgesamt hat sich Damien Chazelle mit diesem Mammutprojekt ein wenig übernommen. Einen Spannungsbogen gibt es nicht wirklich, dafür reihenweise, teils urkomische, oftmals grandiose Szenen, von denen so mancher Handlungsstrang leider ins Leere verläuft. Eine, trotz alledem, sehenswerte Liebeserklärung, wie auch Anklage, an die goldene Ära des Kinos, die mit einer tollen, versöhnlichen Collage endet.

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