Filmtipp

Chrischis Filmtipp zum Wochenende

Erdbeben (1974)

Nachdem Roland Emmerich sich vom Katastrophenfilm abgewendet hat, wurde es ruhig um das einst so beliebte Genre. Zwar startet diesen Sommer mit „Twisters“ endlich wieder ein neuer Streifen dieser Sorte, doch muss dieser sich erstmal an der Boxoffice beweisen. In den Siebzigern sprossen diese Filme noch wie Pilze aus dem Boden. Flugzeuge in Not, Schiffe in Seenot oder Hochhäuser in Flammen dominierten die Lichtspielhäuser. Ein prominenter Beitrag war der starbesetzte Film „Erdbeben“, den ich Euch heute ins Gedächtnis zurückbringen möchte.

Es scheint, dass den Bewohnern von Los Angeles ein stinknormaler, sonniger Tag bevorsteht. Für den Ingenieur Stewart Graff (Charlton Heston), der in der Firma seines Schwiegervaters Royce (Lorne Greene) zurecht eine ganz große Nummer ist, nicht unbedingt erstrebenswert, muss er sich doch mit seiner alkoholkranken Frau Remy (Ava Gardner) herumschlagen. Nach einem handfesten Streit verlässt er das gemeinsame Zuhause um seine heimliche Geliebte, eine junge Mutter namens Denise (Geneviève Bujold), die als Schauspielerin Fuß zu fassen versucht, aufzusuchen. Danach geht es direkt ab ins Büro, wo am Nachmittag eine wichtige Präsentation auf ihn wartet.

Des Weiteren lernen wir den raubeinigen Cop Slade (George Kennedy) kennen, der aufgrund seines rabiaten Auftretens nur knapp einer Suspendierung entgehen kann. Auch der Stuntfahrer Miles (Richard Roundtree) wird heute nicht wie geplant seinen Parkour mit dem Motorrad fahren können. Denn, was alle nicht ahnen, dass kleine Erdbeben, welches am Morgen die Stadt erschütterte, war nur der Vorbote für die größte Katastrophe ist, die Los Angeles heimsuchen wird…

Die Mühen haben sich gelohnt

Den Inhalt von Erdbeben könnte man quasi copy and paste aus jedem x-beliebigen Katastrophenfilm wiedergeben, trotz „Der Pate“-Autor Mario Puzo, der hier am Skript mitschrieb. Wir lernen eine illustre Schar von Figuren mit mehr oder weniger aufregendem Background und den üblichen, privaten Problemen kennen, die von der Crème de la Crème Hollywoods dargestellt werden. Ironischerweise agierten Charlton Heston und George Kennedy direkt vor dem Dreh bereits Seite an Seite in „Giganten am Himmel – Airport 1975“. Direkt nach Drehschluss des packenden Flugzeug-Katastrophenfilms hechteten sie dann ans Set dieses Klassikers. Katastrophenfilme waren halt das A und O in den Kinos der Siebziger.

Die Mühen haben sich gelohnt, denn auch wenn an Erdbeben der Zahn der Zeit genagt hat, so sind die damals spektakulären Effekte auch heute noch beeindruckend. Hier waren noch echte Trickkünstler am Werk und schufen faszinierende Miniaturbauten, wie etwa einen brechenden Staudamm oder diverse einstürzende Hochhäuser. Ja, es wird einiges geboten. Auch die Besetzung ist absolut grandios, inklusive eines Cameo-Auftrittes von Walter Matthau, der unter einem erfundenen Namen im Cast gelistet wurde. Angeblich sollte es sich um seinen bürgerlichen Namen handeln, doch der alte Fuchs machte sich einen Spaß und so ist der Name Walter Matuschanskayasky frei erfunden.

Was gibt´s sonst noch zu vermelden über „Erdbeben“? Nun, es war der wohl bedeutendste Film von Regisseur Mark Robson, der die Fertigstellung seines Folgewerkes „Lawinenexpress“ leider nicht mehr erleben sollte. Ach ja, der Soundtrack von Legende John Williams („Star Wars“) ist natürlich wieder gewohnt genial. Vielleicht habe ich Euch mit diesem Artikel Lust gemacht, mal wieder klassisches, starbesetztes Katastrophenkino über Euren Fernseher flimmern zu lassen. Wenn nicht mit „Erdbeben“, dann vielleicht „Airport“, „Flammendes Inferno“ oder „Poseidon Inferno“? Diese Filme funktionieren auch heute noch bestens.

Szenen, in denen Frau Klaas der verzweifelten Jugendamt Mitarbeiterin unter Tränen gesteht, dass sie Angst vor ihrer eigenen Tochter habe, gehen unter die Haut. Wenn dann bei Frau Banafé selbst die Tränen der Verzweiflung ausbrechen, ist das schon hart mit anzuschauen.

Immer wieder gibt es aber auch Szenen der Hoffnung. So lässt sich Benni nur von ihrer eigenen Mutter im Gesicht berühren, bei jedem anderen bricht sofort eine Panikattacke aus. Als sie jedoch an einem Punkt der Geschichte ein Baby in den Arm bekommt und dieses ihr intensiv im Gesicht herumgrabscht, passiert… nichts!

Doch Regisseurin Fingscheidt lässt uns keine Illusion, es wird immer wieder aus scheinbar heiterem Himmel Anfälle geben. Ein trautes Familienleben wird Benni niemals erleben, auch wenn man es dem eigentlich lieben Mädchen, dass nur auf der Suche nach Stabilität ist, so sehr wünscht.

Ihre Anfälle wurden dabei hektisch, pink, mit aufblitzenden Bildern und anstrengender Musik inszeniert, damit man als Zuschauer ein ungefähres Gefühl für Bernadettes Empfinden erhält. Toll gemacht. Die Schauspieler agieren allesamt glaubwürdig, insbesondere natürlich die damals noch kleine Helena Zengel, mit der intensiv an ihrer Rolle gearbeitet wurde. Sie spielt so toll, dass sie kurz darauf an der Seite von Tom Hanks in „Neues aus der Welt“ agieren durfte. Von ihr werden wir noch viel hören.

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