Over the Top mit Sylvester Stallone
Heute möchte ich euch den besten Actionfilm zum Thema Armdrücken ins Gedächtnis rufen: OVER THE TOP. Inszeniert wurde der Film von Regielegende (hust) Menahem Golan, und die Hauptrolle übernahm Sylvester Stallone. Obwohl der Film auf den ersten Blick eine echte Gurke ist, die zu Recht an der Kinokasse floppte, bietet der Streifen, insbesondere Kindern der Achtziger, wundervolle Jugenderinnerungen.
Auch ich kann mich dem nostalgischen Flair des Films nicht entziehen, da er immerhin der erste Sylvester-Stallone-Streifen war, den ich dank Jugendfreigabe damals im kleinen Kinosaal sehen durfte. „The Winner takes it all.“ Schmacht! Seufz!
Schaut man sich den martialischen Trailer zu „Over the Top“ an, könnte man meinen, dass „Rambo“ und „Die City-Cobra“ nur ein Warm-up waren für den Kampf, den Lincoln Hawk (Sylvester Stallone) in diesem Kracher aus der Wunderschmiede Cannon Group bestehen muss. Die Realität sieht allerdings anders aus. Der Film ist mehr ein schmalziges Vater-Sohn-Drama als ein Actionfilm, auch wenn Sly immer wieder seine Superkraft aktiviert, indem er das Basecap um 180 Grad dreht und somit zur unbezwingbaren Armdrücklegende mutiert. Klingt doof, ist es auch, aber wie erwähnt, auch irgendwie geil.
Gleich zu Beginn begibt sich Lincoln Hawk (was für ein Name, by the way!) zur Kadettenanstalt, in der sein zwölfjähriger Sohn Michael Cutler (David Mendenhall) ausgebildet wird. Beide kennen einander nicht, denn Lincoln, der mit Leib und Seele Trucker ist, verließ seine Frau Christina (Susan Blakely) einst aufgrund von Problemen mit seinem Schwiegervater Jason Cutler (Robert Loggia). Dieser ist ein stinkreicher, alter Sack, der Lincoln für einen Taugenichts hält und den Kontakt zu Michael schlichtweg unterbunden hat. Ein Schelm, wer hier hinterfragt, wie tiefgreifend wohl die Liebe zwischen Lincoln und Christina gewesen sein muss, wenn sie, anders als Romeo und Julia, einfach aufgegeben haben.
In der Welt der Cannon Group gilt es aber, so etwas nicht zu hinterfragen, immerhin bewegen wir uns hier im Filmuniversum von Charles Bronson und Chuck Norris, diesmal aber auf die sanfte Tour. Nun gilt es für Lincoln, seinen Sohnemann aus der Kadettenschule abzuholen und heimzubringen. Es ist der letzte Wunsch von Mama Christina, die das Krankenhausbett hütet und in den letzten Zügen liegt, obwohl sie gar nicht krank ausschaut.
Überraschend unterhaltend mit Kultstatus
Michael, der anfangs noch als arroganter, kleiner Schnösel daherkommt, zeigt wenig Begeisterung für seinen einfach gestrickten Truckerfahrer. Dessen Ernährung sei ungesund und das Lenken eines großen LKWs benötige kein besonderes Können oder gar Intelligenz, meint der Rotzlöffel. Doch Lincoln, der natürlich im Herzen der Best-Daddy-of-the-World ist, nimmt die Klagen des kleinen Scheißers gelassen. Stattdessen geht er mit ihm auf einen Roadtrip, auf dem Michael nicht nur seinen Vater endlich kennen- und natürlich auch lieben lernt. Lincoln offenbart seinem Sohn Papas größten Traum: die Weltmeisterschaft im Armdrücken zu gewinnen, dessen Preisgeld nicht nur 100.000 Dollar beträgt, sondern auch einen brandneuen Truck im Wert von 250.000 Dollar (welch Zufall) bietet. Aus diesem Grund trainiert Lincoln hart an seiner Armmuskulatur, damit er, eigentlich ein Außenseiter, seine Chance wahrnehmen und an die Spitze (oder auch darüber hinaus) der Weltbesten gelangen kann.
Wird es Lincoln gelingen, seinen Sohn auf seine Seite zu bekommen? Was wird Opa dazu sagen? Wird dessen eisiges Herz eventuell doch noch erwärmen? Und wie wird das Finale ausfallen, in dem Stallone natürlich (mit Rückschlägen) ins Finale der Weltmeisterschaft vordringt, wo bereits Bob ‚Bull‘ Hurley (Rick Zumwalt) auf ihn wartet, der ausschaut, als verspeise er kleine Kinder zum Frühstück? Ich glaube, auch ungesehen kann sich jeder hier die Antwort selbst geben, denn Überraschung ist die Stärke von „Over the Top“ mit Sicherheit nicht.
Überraschen muss der Film auch nicht, stattdessen ist es überraschend, wie gut dieser käsige Quatsch auch heute noch unterhält. Ja, auch wenn meine vorangegangenen Zeilen durchaus negativ klangen – nennt mich sentimental – ich mag „Over the Top“ und fühle mich bei jeder Sichtung erneut bestens unterhalten. Klar, die Story trieft vor Kitsch, der Junge spielt nicht gut und die Action beschränkt sich auf händchenhaltende Muskelpakete mit Schweiß auf der Stirn. Naja, nicht ganz, denn der coolste Moment ist immer, wenn Sly sein Basecap um 180 Grad dreht, denn dann geht er in den Rage-Modus. Eine Erklärung hierzu gibt er außerdem ab: „Das ist ein ganz simpler Trick. Ich nehme einfach meine Mütze und dreh‘ sie ‚rum. Das ist ganz genau so, als ob man eine Maschine startet.“ – Worte für die Ewigkeit, echte Männerpoesie.
Filme aus dem Hause Cannon Group sind immer wieder ein Fest. Insbesondere, wenn Chefkoch Menahem Golan selbst das Menü gekocht hat. Es ist einfach goldig zu sehen, wie er und sein Partner Yoram Globus dem Irrglauben erlagen, Hollywood erobern zu können, indem sie immer größere Kredite für Bombast-Produktionen aufnahmen. „Over the Top“ ist ein Musterbeispiel hierfür. Ursprünglich mit „Miami Vice“-Star Don Johnson in der Hauptrolle geplant, wollten die beiden israelischen Filmemacher unbedingt Kassenmagnet Sylvester Stallone als Leadingstar. Doch der hatte keine Lust auf den Film und lehnte ab. Zumindest bis ihm absurd viel Geld geboten wurde (Gerüchte munkeln von 10 – 12 Millionen Dollar). Die Rechnung ging allerdings nicht auf, denn lediglich 16 Millionen Dollar wurden weltweit wieder an der Kinokasse eingefahren. Ein Ergebnis „under the top“. Egal, der Film hat heute noch Kultstatus und daher möchte ich ihn euch ans Herz legen.
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