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Lübecker Kreuzweg zeigte „Zusammenhalt“

Erzbischof Heße und Bischöfin Fehrs rufen zu Gebet und Hoffnungskraft auf

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause fand am Karfreitag wieder der älteste Kreuzweg Deutschlands in einer Prozession statt. Gemeinsam mit Hunderten Gläubigen zogen Erzbischof Dr. Stefan Heße, Ministerpräsident a.D. Björn Engholm und Bischöfin Kirsten Fehrs durch die Lübecker Innenstadt, um an fünf Stationen an das Leiden und Sterben Jesus Christi zu erinnern. Der diesjährige Kreuzweg stand unter der Überschrift „ZUSAMMENHALT“.

Bischöfin Kirsten Fehrs erklärte an der ersten Station des Kreuzweges: „Wo immer Menschen zu Opfern gemacht werden, ist Position gefragt. Klare Position. Ein Nein zur Gewalt. Ein Ja zum Widerspruch. Und ein aktiver Einsatz für die Demokratie, in der die Würde jedes einzelnen Menschen gelten muss. Wir müssen Zusammenhalt zeigen und ein Nein aussprechen, wenn Macht missbraucht wird, wenn Völkerrecht gebrochen wird. Wir werden mit unseren Gebeten, unserem Mitgefühl und unseren Hoffnungskräften gebraucht, gerade in dieser Zeit, damit dem Leid ein Ende bereitet wird.“

Erzbischof Dr. Stefan Heße sagte an der letzten Station auf dem Jerusalemsberg: „Seit mehr als sieben Wochen herrscht Krieg in Europa. Fassungslos, sprachlos und ohnmächtig stehen wir vor der Eskalation der Gewalt, der Not und dem Leiden der Menschen und den Trümmern unserer Friedenspolitik und unserer Vorstellungen von einem friedlichen Zusammenleben in Europa. Karfreitag ist der Tag der Klage, des Kummers, der Trauer, der Tag des Unaussprechlichen. Jesus stirbt für uns am Kreuz. Aber: Er überwindet den Tod, er befreit und rettet uns. So denken wir am heutigen Karfreitag hoffnungsvoll an die Menschen in der Ukraine, an die Menschen, die auf der Flucht sind, an die Menschen, die leiden. Wir beten für sie.“

Ferner wirkten am Kreuzweg mit: Pastor Lutz Jedeck (Jakobi), Pastorin Kathrin Jedeck (Jakobi), Jürgen Wiechmann (ehemaliger Prof. für Didaktik und Schulentwicklung), Propst Christoph Giering (Propstei Herz Jesu), Sabine Rode (Vorstand der DRK-Schwesternschaft Lübeck), Pröpstin Petra Kallies (Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg), Dr. Jan Philipp Klein (Leitender Oberarzt für Psychotherapie Uniklinik Lübeck) und Pastoralreferentin Claudia Schophuis (Moderation).

Hintergrund „Lübecker Kreuzweg“:

Kirchenhistoriker halten ihn für den ersten deutschen Kreuzweg: Der Weg von der Jakobi-Kirche zum Jerusalemsberg ist mit 1.650 Metern exakt so lang wie die „Via dolorosa“ in Jerusalem. Diesen Weg soll Jesus nach seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zum Ort der Kreuzigung gegangen sein.

Hinrich Konstin war im 15. Jahrhundert ein angesehener Kaufmann und Ratsherr der blühenden Hansestadt Lübeck. Für sein Seelenheil hatte er eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen. Den Lübschen Sagen nach soll er sehr jähzornig gewesen sein und seiner Frau „großes Herzeleid“ angetan haben. Er starb 1482 kinderlos und verfügte in seinem Testament, dass von seinem Vermögen ein Kreuzweg gebaut werden sollte. Noch heute erinnern „Konstinkai“ und „Konstinstraße“ an den Stifter.

Der Kreuzweg beginnt an einem Relief der evangelischen Jakobi-Kirche: „Hir beginet de crucedracht Christi bute de borchdare to Jherusale“ (Hier beginnt die Kreuztragung Christi durch das Burgtor zum Jerusalemsberg).

Vor den Stadtmauern hatte Konstin den Jerusalemsberg aufschütten lassen.

Hier an der Konstinstraße sieht man heute neben dem Brahms-Institut einen rund vier Meter hohen Hügel. Ursprünglich muss er höher gewesen sein, denn die Franzosen hatten während ihrer Belagerung 1813 einen Teil abgetragen. 17 stattliche Eichen umrahmen das Denkmal mit der Kreuzigung Jesu.

Seit 2004 ist der Kreuzweg ökumenisch und wird an jedem Karfreitag um 10 Uhr von etwa 800 Gläubigen begangen.

Photo Credits: Erzbistum Hamburg

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